Attributionen in der Sozialen Arbeit

Eine quantitative Studie über die sozialarbeiterische Bedarfseinschätzung bei Klientinnen und Klienten


ISBN-Nr.:
978-3-03796-407-1
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Bachelor-Thesen (BSc)
Seitenzahl:
201
Erscheinungsjahr:
2005
Schlagworte
Attribution, Gender
Verlag
Edition Soziothek
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Ergebnisse einer schwedischen Studie belegen: Sozialarbeiter schätzen die Bedürfnisse ihrer Klienten nach normativen Vorstellungen über Weiblichkeit und Männlichkeit ein. Eine solche geschlechtsstereotyp verzerrte Bedarfseinschätzung verhindert die optimal auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten abgestimmte Beratung. Sie kann dem Postulat einer freiheitlichen Entwicklung und Identitätsfindung des Klienten nicht gerecht werden. In der Schweiz lagen bisher keine Studien zur Thematik vor.

Im Zentrum der vorliegenden empirischen Untersuchung steht deshalb die Frage, ob auch Berner Sozialarbeiter die Bedürfnisse ihrer Klienten nach weiblichen und männlichen Stereotypen einschätzen. Mittels quantitativer Umfrage wurden 96 Sozialarbeiter aus öffentlichen Sozialdiensten des Kantons Bern dazu befragt.

Die Resultate zeigen: Auch Berner Sozialarbeiter schätzen die Bedürfnisse ihrer Klienten geschlechtsstereotyp ein. Insbesondere Sozialarbeiterinnen mit langjähriger Berufserfahrung nehmen eine an das Geschlecht der Klienten gekoppelte Bedarfseinschätzung vor.

Wie kommt es zu einer solchen Fehleinschätzung? Weshalb gerade in der Sozialen Arbeit, einem Beruf, der die Gleichbehandlung aller Klienten postuliert? Und weshalb sind es hauptsächlich Sozialarbeiterinnen, die für Frauen einschränkende Geschlechtsrollenstereotypien tradieren?

Folgen solcher Fehleinschätzungen stimmen nachdenklich. Um Sozialarbeiter zu befähigen, geschlechtssensibel zu arbeiten und einschränkende Geschlechtergrenzen zu überschreiten, müssen geschlechtsspezifische und den Geschlechterunterschied berücksichtigende Fragestellungen stärker in Aus- und Weiterbildung der Sozialen Arbeit integriert werden. Berufstätige sind zu einem kritischen Reflektieren ihres eigenen Handelns aufzufordern. Nur so kann auch in der Sozialen Arbeit Geschlechterdemokratie verwirklicht werden.
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