Ein Kult für alle Fälle

Eine empirische Studie zum Thema "Mögliche Prädisposition einer Sekten-, Kultmitgliedschaft


ISBN-Nr.:
978-3-03796-116-2
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Forschungsberichte
Seitenzahl:
122
Erscheinungsjahr:
2000
Publikationsdatum:
08.05.2015
Verlag
Edition Soziothek
Kostenlos
Der Klassiker aus dem Jahr 2000 neu aufgelegt

Mit dieser Arbeit wird eine empirische Studie zum Thema „Mögliche Prädisposition einer Sekten-, Kultmitgliedschaft“ vorgelegt. Es handelt sich dabei um eine explorative Untersuchung mit Schwerpunkten hinsichtlich des Familienhintergrunds und der Persönlichkeit von Kultmitgliedern sowie den situationalen Bedingungen und der psychischen Verfassung unmittelbar vor dem Kultbeitritt. Mit Hilfe eines halbstandardisierten Fragebogens wurden Fremdbeurteilungen durch die Familien und / oder Freunde der Kultmitglieder erhoben. Die zur Verfügung stehenden quantitativen und qualitativen Daten dieses Fragebogens bezogen sich auf insgesamt 110 Kultmitglieder im Alter von 12 bis 50 Jahren.

Empirische Forschungsbeiträge zum Thema Beitrittsdisposition sind international kaum vorhanden. Aufgrund der äusserst zahlreichen und zum Teil auch widersprüchlichen Aussagen zu diesem Thema wurde für diese Arbeit die Kategorisierung von Beitrittsfaktoren nach der American Psychiatric Association (1992) übernommen. Deren Einteilung von möglichen Ursachenfeldern schien der Komplexität eines Kultbeitritts am ehesten gerecht zu werden.

Die wichtigsten Ergebnisse lauten:
- Der Grossteil der Personen war vor ihrem Kultbeitritt alleinstehend, im Alter von 21 bis 25 Jahren, stammt aus der Mittel- bzw. gehobenen Mittelschicht und ist in einer Kleinstadt bzw. in ländlicher Umgebung zusammen mit mehreren Geschwistern aufgewachsen. Das Ausbildungsniveau ist verhältnismässig hoch. Die Eltern waren meist verheiratet.
- Die meisten der Personen litten vor ihrem Kultbeitritt gleichzeitig unter mehreren belastenden Erfahrungen. So erfuhr die Mehrzahl von ihnen einen dysfunktionalen Familienhintergrund und sah sich unmittelbar vor dem Eintritt schwierigen Situationen ausgesetzt.
- Nur bei einem geringen Anteil der Personen lag eine Psychopathologie vor.
- Annähernd die Hälfte der Stichprobe wurde als altruistisch, sensibel und einsam beschrieben. Ein Viertel wurde als naiv, labil, introvertiert, idealistisch und / oder als nicht selbstbewusst bezeichnet.
- Für etwas mehr als die Hälfte der Kultmitglieder war, nach eigenen Angaben, der Wunsch nach einer verbindlichen Lehre / Ideologie ausschlaggebend für den Beitritt. Nur wenige nannten Selbstverwirklichung oder Unzufriedenheit als Beweggrund.
- Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten nachgewiesen werden.
- Weiterhin ist es gelungen, das Profil von 3 Kultkategorien darzustellen.
Christlich-fundamentalistische Gruppen, Gurubewegungen, Psychokulte / Esoterikbewegungen konnten hinsichtlich der Merkmale Eintrittsalter, Geschlecht, Geschwisterposition, Familienstand der Eltern, Schulabschluss, Kirchenbesuche, Familienhintergrund, situationaler Bedingungen, Persönlichkeit, Psychopathologie und selbstgenannter Beitrittsgründe deutlich voneinander abgegrenzt werden.

Mit diesen Ergebnissen konnte zum einen ein erster Einblick in ein noch weitgehend unerforschtes Gebiet gewonnen, zum anderen ein weiterer Beitrag zur Klärung der Spezifik biographischer und lebensthematischer Hintergründe, die eventuell prädisponierend für eine Kultmitgliedschaft sind, erbracht werden. Nach wie vor sind allerdings noch viele Fragen offen und bedürfen weiterer Forschungsbemühungen.
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