Modernes Sterben

Der Umgang mit dem Tod in unserer westlichen Gesellschaft

In der Sozialen Arbeit kommt es immer wieder zu Berührungspunkten mit der Todesthematik. Sei es in Form einer Beistandschaft mit Vertretungsrecht bei Fragen nach medizinischen Massnahmen oder organisatorischen Angelegenheiten, wenn eine Klientin bzw. ein Klient stirbt. Die vorliegende Bachelor-Thesis befasst sich mit der Frage nach dem Umgang mit dem Tod in der heutigen westlichen Gesellschaft. Die Bearbeitung der Fragestellung wurde mit Theorien aus soziologischer Literatur bearbeitet und mit Praxisbeispielen aus Interviews und teilnehmenden Beobachtungen untermauert.

Basierend auf einem Abriss der Geschichte des Todes ergibt sich die Vermutung, dass der Tod seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend verdrängt wird. Aus dem Diskurs resultiert die Bestätigung, dass die Verdrängung heute auf individueller und gesellschaftlicher Ebene erfolgt. Neben natürlichen Aspekten, wird die Unbewusstmachung der Endlichkeit auch systematisch durch kapitalistische Machtverhältnisse gefördert. Durch die Säkularisierung und die zunehmende Individualisierung hat sich der Zugang zu Sterbens-, Todes- und Trauerritualen verändert. Aufbauend auf Theorien zu Merkmalen und Funktion von Ritualen folgt die These, dass heute immer weniger auf den Tod bezogene Rituale stattfinden. Zwar verlieren traditionelle kollektive Rituale an Bedeutung, aber ein Prozess zur Bildung neuer und individuellen rituellen Handlungen ist im Gang. Aus der Relevanz von Ritualen geht die These hervor, dass der Tod ohne diese nicht verarbeitet werden kann. Rituelle Handlungen dienen als Strategien zur Sinngebung, Stabilisierung des Systems und zur angemessenen Trauerverarbeitung. Fehlen diese, muss nach Alternativen gesucht werden. Heute erfolgt die Verarbeitung des Verlustes für Hinterbliebene u.a. in den Praxen von Psychiaterinnen und Psychiatern.

Der Umgang mit dem Tod in der heutigen westlichen Welt ist durch die Übergabe an Professionelle gekennzeichnet. Auch rituelle Handlungen werden durch professionelle Massnahmen ersetzt. Denn Rituale wirken bindend und fördern das Todesbewusstsein, was nicht im Sinne des Kapitalismus ist. Auch die Soziale Arbeit ist ein Teil der Professionalisierung. Diese Rolle verpflichtet zur kritischen Reflexion des Handelns im Umgang mit dem Tod. Wie ein adäquater Umgang genau aussehen könnte, wäre Teil einer weiterführenden Studie.

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Daniela Stauffer
Modernes Sterben
Der Umgang mit dem Tod in unserer westlichen Gesellschaft
Bachelor-Thesis
54 Seiten
19.09.2014
978-3-03796-509-2