Reproduktion der Arbeitskraft durch Workfare

ISBN-Nr.:
978-3-03796-539-9
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Bachelor-Thesen (BSc)
Seitenzahl:
70
Erscheinungsjahr:
2015
Publikationsdatum:
20.05.2015
Verlag
Edition Soziothek
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Der Begriff Workfare, welcher eine Zusammensetzung aus „Welfare“ und „Work“ ist, wird in der Schweiz primär unter dem positiven Begriff „aktivierender Sozialstaat“ verwendet. Die soziale Sicherung (Welfare), welche ursprünglich auf einer finanziellen Unterstützung basierte, wurde schrittweise in eine Politik der „aktivierenden Massnahmen“ (Workfare) umgestaltet. Dadurch hat sich seit Mitte der neunziger Jahre die schweizerische Sozialpolitik radikal verändert. Mit den zunehmenden Forderungen von Gegenleistungen, bei gleichzeitiger Kürzung der finanziellen Unterstützung, gefolgt von einer Diffamation (Stichwort: Sozialschmarotzer) auf Beziehende von Sozialleistungen, wurde das Sozialstaatliche Model der sozialen Sicherung an die Grenze der Abschaffung gedrängt. Mit der in Workfare eingeführten Forderungen, wurde ein entscheidendes Prinzip der Sozialhilfe abgeschafft – die Verschuldensunabhängigkeit. Die Marktlogik des globalisierten Kapitalismus hat in der Sozialpolitik überhandgenommen. Die Ausbeutung der Arbeitskraft weitete sich dadurch bis auf das letzte Auffangnetz ausserhalb der kapitalistischen Produktionsbedingungen aus – die Sozialhilfe.

Die vorliegende Bachelorthesis geht der These der Funktion von Workfare für den kapitalistischen Staat nach, der Reproduktion der Arbeitskraft und welchen Beitrag Workfare dazu leistet. Durch das Zusammenführen der Workfare-Theorie von Kurt Wyss mit der Theorie der Reproduktion der Arbeitskraft von Karl Marx und Louis Althusser wird eine theoretische Grundlage geschaffen. Diese Basis wird in einem weiteren Schritt mit der Workfare-Praxis, durch zwei geführte narrative Interviews von Workfare-Betroffenen angewendet.

Der Beitrag der Workfare-Praxis für die Reproduktion der Arbeitskraft, zeigte sich durch die autoritären Sozialstrukturen, der Reproduktion der kapitalistischen Ideologie und dem tiefen Grundbedarf in der Sozialhilfe. Die dargestellten Inhalte dieser Arbeit zeigen auf, dass Workfare nur oberflächlich eine bessere Situation für die betroffenen Menschen schafft. Eine Integration in den Arbeitsmarkt für sozialhilfebeziehende Menschen gelingt durch Workfare kaum. Es hält jedoch die Illusion aufrecht, dass dies für die „ökonomisch Überflüssigen“ noch möglich ist. Zudem hält es die Ideologie aufrecht, dass die Erwerbsarbeit das einzige erstrebenswerte Ziel ist, nachdem sich alle Menschen richten sollten. Die Soziale Arbeit leistet durch die Durchführungen von Workfare-Massnahmen, wie Zuweisungen in Programmen oder der Bewerbungspflicht ihren Teil zu Reproduktion der Arbeitskraft. Alternativen für die Sozialarbeitenden wären, die sozialhilfebeziehenden Menschen in ihrer Lebenssituation zu unterstützen und ihnen andere Möglichkeiten aufzeigen um an der Gesellschaft partizipieren zu können, als durch die Erwerbsarbeit. Zusätzlich sollten sich die Sozialarbeitenden kritisch mit den gesellschaftlichen Normen und Forderungen auseinandersetzen und dadurch ihre Haltung kritisch reflektieren.
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