Vertrauensbildung im Kontext des Anreizsystems der Sozialhilfe - ein Widerspruch?

Wie sich der motivationale und disziplinierende Charakter des Anreizsystems auf Vertrauensbeziehung auswirkt


ISBN-Nr.:
978-3-03796-427-9
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Bachelor-Thesen (BSc)
Seitenzahl:
86
Erscheinungsjahr:
2011
Publikationsdatum:
24.06.2012
Verlag
Edition Soziothek
Kostenlos
Seit 2005 sind Anreize in Form von Einkommensfreibeträgen und Integrationszulagen in den SKOS-Richtlinien verankert. Das nach ökonomischer Funktionslogik ausgestaltete Anreizsystem der Sozialhilfe unterstellt, dass Sozialhilfebeziehende mit Aussicht auf eine Belohnung ihre Gegenleistungspflichten besser wahrnehmen. Die Unterstellung ist mit einem Misstrauen verbunden. Dieses steht im Widerspruch zum humanistischen Menschenbild, das einer auf Vertrauen basierenden Interaktion zugrunde liegt. Aus diesem Spannungsfeld leitet sich die Forschungsfrage der vorliegenden Bachelorarbeit ab. Die Auswirkungen des Anreiz-systems der schweizerischen Sozialhilfe auf die Gestaltung der Vertrauensbeziehung zwischen Sozialarbeitenden und ihrer Klientel werden herausgearbeitet und veranschaulicht.

In einem ersten Schritt findet eine Auseinandersetzung mit den Themenbereichen Anreizsystem und Vertrauen statt. Nach einer allgemeinen Einleitung zu Anreizen wird die Einführung des Anreizsystems in die schweizerische Sozialhilfe nachgezeichnet. Die Ausgestaltung der Vertrauensbeziehung in der Sozialhilfe wird auf das Ausbilden von generalisiertem und spezifischem Vertrauen fokussiert und kritisch betrachtet. Weiter wird der motivationale Charakter von Anreizen untersucht. Mit Hilfe der theoretischen Überlegungen von Foucault wird die disziplinierende Funktion von Anreizsystemen offen gelegt. Im Anschluss erfolgt eine Überprüfung des Anreizsystems der schweizerischen Sozialhilfe bezüglich Motivation und Disziplin.

Die Ergebnisse dieser Überprüfung zeigen, dass die Gefahr der Verdrängung intrinsischer Motivation durch das Anreizsystem der schweizerischen Sozialhilfe besteht. Das Anreiz-system erweist sich in mehrfacher Hinsicht als disziplinierend. Die Anreize sind so ausgestaltet, dass eine Differenzierung nach der gesellschaftlichen Nützlichkeit der Sozialhilfebeziehenden vorgenommen wird. Bedingt durch die Gegenleistungspflicht, sieht das Anreizsystem zudem Sanktionierungen bei nicht erfüllten Integrationsleistungen vor. Vor dem Hintergrund einer Gegenüberstellung der festgestellten Auswirkungen der Anreize und unterstützenden Faktoren zum Vertrauensaufbau werden Anregungen für die Praxis der Sozialen Arbeit formuliert.
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