Flüchtlinge im Fokus

Welches sind die Wahrnehmungs- und Handlungsschemata der Klientinnen und Klienten des Flüchtlingssozialdienstes und was haben diese für Auswirkungen bezüglich ihres Lebens in der Schweiz?


ISBN-Nr.:
978-3-03796-558-0
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Bachelor-Thesen (BSc)
Seitenzahl:
80
Erscheinungsjahr:
2015
Publikationsdatum:
29.09.2015
Verlag
Edition Soziothek
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Die vorliegende Arbeit widmet sich der folgenden Fragestellung: Welches sind die Wahrnehmungs- und Handlungsschemata der Klientinnen und Klienten des Flüchtlingssozialdienstes und was haben diese für eine Auswirkung bezüglich ihres Lebens in der Schweiz?

Um diese Frage zu untersuchen wurde die Habitus- und die Kapitaltheorie von Bourdieu herangezogen. Weiter wurde ein narratives Interview mit zwei Personen mit der Flüchtlingseigenschaft durchgeführt und transkribiert. Die Aussagen von den Befragten wurden in deduktiv gebildete Kategorien sowie induktiv gebildete Unterkategorien eingeteilt. Die theoretischen Erkenntnisse dienten als Grundlage zur Interpretation des empirischen Datenmaterials.

Je nach Biografie divergieren die Wahrnehmungs- und Handlungsschemata und haben unterschiedliche Auswirkungen bezüglich des Lebens in der Schweiz. Je nach Habitus einer Person fällt es ihr einfacher sich an die neuen Verhältnisse und Voraussetzungen in der Schweiz zu gewöhnen. Den zwei interviewten Personen war die negative Einstellung zum Bezug von Sozialhilfe gemein, da der Erhalt von Fürsorgeleistung ihrem Habitus und damit auch ihren vergangenen Verhältnissen nicht entspricht.

Das Bewusstsein um die Existenz des Habitus und dessen unterschiedlichen Auswirkungen kann einen Einfluss auf die Gestaltung der Beziehungsarbeit sowie Auftragserfüllung in der Sozialen Arbeit haben. Denn im Allgemeinen kann die Verkennung des Habitus dazu führen, dass sich bisher gemachte Erfahrungen von Klientinnen und Klienten chronifizieren und diese enttäuscht werden. Dies kann zu einer Manifestierung bestehender dysfunktionaler Verhältnissen führen. Das Erkennen des Habitus einer Person kann dazu führen, dass verschiedene Deutungen der Probleme vorgenommen werden können, die zu einer verbesserten Anpassungsleistung seitens der Klientel führen. Die Berücksichtigung der Kapitaltheorie kann Inhalt einer Analyse der Ressourcen der Klientel in der Sozialen Arbeit sein. Dem sozialen Kapital von Flüchtlingen kommt in Bezug auf eine Ressourcenanalyse eine grosse Bedeutung zu, da deren institutionalisiertes Kulturkapital in der Schweiz oft nicht verwendbar ist.

Eine weitere wichtige Erkenntnis für die Soziale Arbeit ist, dass in die Umwandlung von inkorporiertem Kulturkapital zu institutionalisiertem Kulturkapital investiert werden sollte, damit dem Habitus einer Person gerecht werden kann. In einer weiteren Untersuchung wäre es interessant, sich auf den Habitus der Sozialarbeitenden zu fokussieren und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen über den Habitus einzelner Klientinnen und Klienten zu vergleichen.
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