«Ich möchte professionell bleiben»
eine quantitative Untersuchung prägender Faktoren und Einflüsse auf die professionelle Identität in der Sozialen Arbeit
Die Entwicklung professioneller Identität stellt vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Komplexität, widersprüchlicher Rollenerwartungen und begrenzter professioneller Anerkennung eine zentrale Herausforderung für Fachpersonen der Sozialen Arbeit dar. Die vorliegende Masterarbeit geht der Frage nach, welche Fak-toren die Ausprägung professioneller Identität von Fachpersonen der Sozialen Arbeit fördern. Zur Beantwortung wurden neun theorie- und empiriebasierte Hypothesen formuliert, die das Handlungsfeld, Kohärenzgefühl, Ambiguitätstoleranz, Selbstreflexionskompetenz, Anzahl und Zufriedenheit mit Supervision, Rollen- bzw. Perspektivenübernahme, Berufserfahrung und Geschlecht als potenzielle Einflussgrössen untersuchen. Die Arbeit basiert auf einem explanativen, quantitativen Forschungsdesign. Daten-grundlage ist eine standardisierte Online-Befragung von 79 Fachpersonen aus drei grossen Institutionen der Stadt Zürich, welche exemplarisch für die Handlungsfelder Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Soziokulturelle Animation stehen. Die professionelle Identität wurde anhand einer eigens entwickelten Skala mit den Subdimensionen berufliche Rolle, Kompetenzen und Werteorientierung operationalisiert. Zur Hypothesenprüfung kamen deskriptive und inferenzstatistische Verfahren zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen den Subdimensionen professioneller Identität und den Prädiktoren Kohärenzgefühl, Ambiguitätstoleranz, Selbstreflexionskompetenz, Zufriedenheit mit Supervision, Übernahme von Rollen-perspektiven sowie Berufserfahrung. Unterschiede zwischen den Handlungsfeldern, der Supervisionshäufigkeit sowie dem Geschlecht können hingegen nicht nachgewiesen werden. Die Ergebnisse weisen zudem auf Verbesserungspotenzial bei den entwickelten Skalen hin. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur quantitativen Fundierung des Diskurses um professionelle Identität in der Sozialen Arbeit. Sie zeigt auf, dass Identität stark individuell geprägt ist, strukturelle Faktoren jedoch nicht vernachlässigt werden dürfen. Professionelle Identität entsteht im Zusammenspiel reflexiver, institutioneller und struktureller Bedingungen. Daraus ergeben sich Impulse für die Weiterentwicklung des Professionalisierungsdiskurses sowie praxisbezogene Anknüpfungspunkte für Aus-bildung und Praxis.