«Ich verstehe Sie, aber ...»
Eine Verortung von Empathie und Macht in der sozialarbeiterischen Beratung im Zwangskontext
In der Sozialen Arbeit wird Empathie unbestritten als ein zentrales methodisches Instrument betrachtet. In vorliegender Arbeit beleuchtet Meret Zwicky die Beschreibung, Einordnung und Legitimation von Empathie in der Beratung im Zwangskontext. Dabei wird ihr Zusammenspiel mit Macht erörtert. Die Fragestellung, die diese Arbeit verfolgt, lautet: Welche Bedeutung kommt Empathie und Macht in der Beratung im Zwangskontext zu?
Dafür wird die Beratung zunächst im Erwachsenenschutz als Teil des Zwangskontextes verortet und ihre zentralen Rahmenbedingungen werden herausgearbeitet.
Um die verschiedenen Erscheinungsformen von Macht im Beratungskontext zu veranschaulichen und erklären, stützt sich die Analyse auf soziologische und sozialarbeiterische Theorien zum Thema Macht. Dabei werden insbesondere relationale und prozessorientierte Machtverständnisse berücksichtigt, welche aufzeigen, dass Macht nicht nur einschränkend, sondern auch subtil oder kooperativ wirksam sein kann.
Der Umgang mit Macht in der Sozialen Arbeit verdeutlicht, dass jede Form der Machtausübung legitimierbar sein muss. Da Empathie in dieser Arbeit als Machtmittel verstanden wird, bedarf auch ihr Einsatz einer Legitimation. Anhand eines Fallbeispiels aus dem Erwachsenenschutz wird die Legitimität der Verwendung von Empathie im Beratungskontext veranschaulicht.
Aus den Erkenntnissen werden Handlungsempfehlungen für die berufliche Praxis sowie die Hochschullehre formuliert. Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, dass Empathie im Kontext der Beratung im Erwachsenenschutz ein Machtmittel darstellt. Es braucht deshalb eine kritischreflexive Haltung, welche eine professionelle und legitimierte Machtausübung ermöglicht.