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Aggression und selbstverletzendes Verhalten bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung

Körperorientierte Begleitangebote zur Unterstützung der Selbstregulation in Akutsituationen

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie durch körperorientierte Begleitangebote Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung bei sich akut zeigendem selbstverletzendem und fremdaggressivem Verhalten in ihrer Selbstregulation unterstützt werden können. Dafür werden Grundlagen u.a. zum Verständnis von Aggression und zu Umgangsformen mit selbst- und fremdaggressivem Verhalten in der Heilpädagogik und der Behindertenhilfe, insbesondere zu körperbezogenen Interventionen im Rahmen der Deeskalation, zum Verhältnis von Körper, Leib, Aggression und Deeskalation sowie zu Grenzen und Schwierigkeiten der Thematik Körperkontakt erarbeitet. Anhand der Basalen Stimulation (Fröhlich, 2015) und Psychotonik (Glaser, 1993/Grossmann-Schnyder, 2000) werden Körperkontakt und Berührung in ihren psychosomatischen Möglichkeiten zur Selbstregulation und zur Deeskalation analysiert und ausgewertet sowie die Forschungsfrage beantwortet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anhand einer Reflexion zu Körperkontakt und professionellem Handeln sowie an einem Fallbeispiel auf die Praxis Sozialer Arbeit angewendet.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine psychosomatisch orientierte Deeskalation, in Form von sanfteren körperorientierten Begleitangeboten, ein reales Potential zur Selbstregulation in Situationen akuter Aggression aufweist. Dies speziell für die Begleitarbeit von Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung, da diese oftmals eine psychosomatisch gewichtete Selbstregulation mitbringt. Nonverbale Interaktion und Kommunikation birgt aber auch ein Risiko zu Missverständnissen und schädlichen Grenzüberschreitungen, gerade in akuten Aggressionssituationen. Körper- und berührungsorientierte Begleitangebote bieten folglich für Fachpersonen eine ergänzende Interventionsmöglichkeit zu bereits bekannten Massnahmen der Gewaltprävention, bedürfen jedoch einer besonders sorgfältigen und gewissenhaften Ausgestaltung durch die Fachperson, um einen fachlich soliden Umgang mit akutem selbst- und fremdverletzendem Verhalten, gerade auch im Sinne essentieller Prinzipien Sozialer Arbeit, wie Selbstbestimmung, Autonomie, Empowerment und Teilhabe, zu gewährleisten.

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Julia Kicey
Aggression und selbstverletzendes Verhalten bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung
Körperorientierte Begleitangebote zur Unterstützung der Selbstregulation in Akutsituationen
Bachelor-Thesis
115 Seiten
06.2020
10.26038/114259