Arbeitsgesetz und psychische Gesundheit

Der Zusammenhang von beruflicher Tätigkeit ausserhalb des Arbeitsgesetzes und der arbeitsbezogenen, psychischen Gesundheit von Sozialarbeitenden

Der Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und arbeitsbezogener, psychischer Gesundheit von Arbeitnehmenden wird sowohl in der wissenschaftlichen Literatur, der Praxis als auch der Politik zunehmend diskutiert und als bedeutend anerkannt. Gerade auch in der Sozialen Arbeit ist Burnout, unter anderem in Bezug auf die angespannte Fachkräftesituation, ein relevantes Thema. In der Schweiz dient auf rechtlicher Ebene das Arbeitsgesetz dem Schutz der Gesundheit von Arbeitnehmenden. Dass Sozialarbeitende mit Betreuungsaufgaben im stationären Kontext davon ausgenommen sind, bietet Anlass zur Untersuchung der Fragestellung «Besteht ein Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit in einem vom Arbeitsgesetz ausgenommenen Bereich und der arbeitsbezogenen, psychischen Gesundheit von Sozialarbeitenden?» Um diese zu untersuchen wurden Unterfragen über den Unterschied in Ausmass und Art der Reglementierung der Arbeitsbedingungen, arbeitsbezogenen Anforderungen und Ressourcen, der wahrgenommenen Beanspruchung und der arbeitsbezogenen, psychischen Gesundheit in Form von Burnout und Arbeitsengagement von Sozialarbeitenden innerhalb und ausserhalb des Arbeitsgesetzes formuliert. Zudem wurde eine ergänzende, explorative Unterfrage über die Zusammenhänge zwischen diesen Variablen ausgearbeitet. Die Fragestellung wurde mit einem quantitativen Forschungsdesign, mittels Fragebogen, der an möglichst viele aktuell berufstätige Sozialarbeitende in den Kantonen Bern und Zürich verschickt wurde (n=363), untersucht. Die Daten wurden anschliessend deskriptiv, mit Hypothesentests zu den Gruppenunterschieden und explorativ mit Korrelationsanalysen ausgewertet. Die Analyse zeigt, dass Sozialarbeitende ausserhalb des Arbeitsgesetzes signifikant stärker ausgeprägte Anforderungen, schwächer ausgeprägte Ressourcen, eine höhere Exposition bezüglich potenzieller Fehlbelastung und höhere Burnout-Werte aufweisen. Die Effektgrössen fallen dabei schwach bis eher moderat aus. In Art und Ausmass der Reglementierung, d urchschnittlicher Beanspruchung pro potenzieller Fehlbelastung und Arbeitsengagement liessen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen. Damit lässt die Auswertung darauf schliessen, dass die Tätigkeit in einem vom Arbeitsgesetz ausgenommenen Bereich mit der arbeitsbezogenen, psychischen Gesundheit von Sozialarbeitenden zusammenhängt, wobei die explorative Analyse darauf hinweist, dass dies primär über unterschiedlich ausgeprägte Anforderungen und Ressourcen läuft. Bezüglich der Ausnahme von Sozialarbeitenden in der stationären Betreuung besteht somit zum Schutz ihrer arbeitsbezogenen, psychischen Gesundheit Handlungsbedarf.

Mehr Weniger
Kathrin Cornu
Arbeitsgesetz und psychische Gesundheit
Der Zusammenhang von beruflicher Tätigkeit ausserhalb des Arbeitsgesetzes und der arbeitsbezogenen, psychischen Gesundheit von Sozialarbeitenden
Master-Thesis
05.08.2026