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Arbeitsintegrationsprozesse von IV-Klient:innen mit psychischer Erkrankung

Eine Analyse von Prozess und Begleitung im Kontext von subjektivem Bedarf

Klient:innen der Invalidenversicherung (IV) mit psychischer Erkrankung haben im Rahmen des Arbeitsintegrationsprozesses besondere Bedürfnisse, welche das Versorgungssystem bisweilen nicht befriedigend zu decken vermag. So legen es die Gesetzesrevisionen und Weiterentwicklungen der IV nahe, von welchen es sich insbesondere die jüngste Vorlage zum Ziel gesetzt hat, eine intensivere Begleitung von Menschen mit psychischer Erkrankung zu gewährleisten sowie die Zusammenarbeit der Akteur:innen zu verstärken. Vorliegende Arbeit geht einerseits der Frage nach, welchen subjektiven Bedarf betreffende Klient:innen zwecks Erhöhung ihrer Arbeitsmarktfähigkeit proklamieren und stellt diesen dem jeweilig von den Klient:innen berichteten Verlauf gegenüber. Andererseits sind institutionelle Übergänge im Kontext des IV-Prozesses Gegenstand des Interesses – und damit ebenfalls die Frage nach der erlebten versus der indizierten Begleitung entlang der Versorgungskette aus der Perspektive der Klient:innen. Als Fundament für die empirische Erhebung des interessierenden Gegenstandsbereichs dienten den Autor:innen vorliegender Master-Thesis verschiedene theoretische Bezugsrahmen. Der Logik des qualitativen Forschungsprozesses folgend wurden mit (nach spezifischen Kriterien ausgewählten) Klient:innen der IV Leitfadeninterviews geführt. Die generierten Daten wurden mittels der Grounded Theory Methodologie analysiert, woraus sich Erkenntnisse über Schwachstellen hinsichtlich inhaltlicher und prozessualer Versorgung von IV-Klient:innen im Kontext ihres Arbeitsintegrationsprozesses erschliessen liessen. Diese finden ihren Niederschlag in sechs eruierten Phänomenen. Die beiden fallübergreifenden Phänomene «Erleben von Orientierungsschwierigkeiten» und «in die Heilung kommen wollen» bilden das Kernelement der Analyse, woraus die Autor:innen zwei Hypothesen bildeten: So kann erstens konstatiert werden, dass Ungewissheiten (in vielfältiger Hinsicht) im Rahmen der berichteten Arbeitsintegrationsprozesse zu Orientierungsschwierigkeiten führen, welche sich durch mannigfaltige prozessgebundene Faktoren weiter verstärken, statt diesen entgegenzuwirken – woraus letztlich eine zusätzliche gesundheitliche Belastung für betreffende Klient:innen resultiert. Zweitens verweisen die Daten auf den zentralen Bedarf der Klient:innen, genesen zu können; was als Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration konstatiert werden kann. In diesem Zusammenhang werden von den Klient:innen wesentlich die Entlastung von Druck, die Einbindung in eine (geeignete) Tagesstruktur und die psychosoziale Unterstützung durch Bezugspersonen als hilfreich erachtet. In der weiterführenden Abhandlung werden die Erkenntnisse im Rahmen einer Theorieverknüpfung diskutiert. Daraus werden in einer Schlussbetrachtung Implikationen für die Praxis abgeleitet und in Form von Empfehlungen dargestellt.

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Caroline Huguenin, Pascal Galey
Arbeitsintegrationsprozesse von IV-Klient:innen mit psychischer Erkrankung
Eine Analyse von Prozess und Begleitung im Kontext von subjektivem Bedarf
Master-Thesis
109 Seiten
01.2022
10.26038/479368