Cancel Culture: Zwischen Ausschluss und Verantwortung

Eine Bestandesaufnahme und die Rolle der Soziokulturellen Animation

Cancel Culture wird im öffentlichen Diskurs oft als moralische Korrektur oder übersteigerte Empörung verstanden. Beide Sichtweisen greifen zu kurz. Diese Arbeit zeigt am jüngeren Beispiel von Sanija Ameti, dass Ausschlusspraktiken auf tiefliegende gesellschaftliche Strukturen zurückgehen. Ametis Geschlecht, Herkunft und Biografie führten zu besonderer Verwundbarkeit - Kritik schlug rasch in Ausgrenzung und Bedrohung um. Cancel Culture ist kein neues Phänomen; sie ist älter als die medial viel diskutierte Wokeness. Heute nutzen auch konservative Kräfte, oft erklärte Gegner jener Wokeness, Cancel Culture strategisch, wie etwa um Gegenspielende zum Schweigen zu bringen oder sich als Opfer zu inszenieren. Öffentliche Skandalisierungen folgen dabei wiederkehrenden Mustern wie rascher Schuldzuweisung, Isolation und dem Fehlen von Möglichkeiten zur Wiedergutmachung. In der Soziokulturellen Animation können Fachpersonen dem entgegentreten, indem sie Räume für Dialog, Verständnis und gemeinsames Lernen schaffen. Community Accountability, Listening Circles und Pods verschieben den Fokus weg von Bestrafung hin zu Kontextualisierung, Verantwortung und Gemeinschaft. Abolitionistische Ansätze stärken dabei die Vorstellung, dass gesellschaftlicher Wandel durch Beziehung, Verantwortung und Fürsorge statt durch Strafe entsteht. So entstehen neue Wege im Umgang mit gesellschaftlichen Spannungen.

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Esra Cukadar
Cancel Culture: Zwischen Ausschluss und Verantwortung
Eine Bestandesaufnahme und die Rolle der Soziokulturellen Animation
Bachelor-Thesis
11.08.2025