Care Farming - Ein Angebot zum Aufblühen
Eine qualitative Studie aus Sicht der Teilnehmenden und Anbietenden über die Wirksamkeitsfaktoren von Tagesstruktur auf einer Care Farm für Menschen mit einer psychischen Erkrankung
Die Zunahme psychischer Erkrankungen führt zu einem wachsenden Bedarf an Unterstützungsangeboten. Parallel dazu werden viele landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben, da sie nicht mehr tragfähig sind. Hierbei kann Care Farming einen innovativen Ansatz bieten, um beiden Problemlagen zu begegnen. Denn Care Farming - ein Angebot zum Aufblühen - verbindet die landwirtschaftliche Produktion mit sozialer Arbeit, indem Menschen mit Unterstützungsbedarf in die Landwirtschaft eingebunden werden. Ziel dieser Arbeit ist es, Care Farming Aufmerksamkeit zu schenken und eine Grundlage für dessen Legitimation zu schaffen. Dazu haben die Autorinnen Lucia Weingartner und Lara Camenzind ein Ankerwirkmodell entwickelt, das auf Literatur sowie auf den Ergebnissen von acht leitfadengestützten Interviews beruht. Pro Care Farm wurden je ein Interview mit dem/der Anbietenden und dem/der erwachsenen Teilnehmenden mit einer psychischen Erkrankung durchgeführt. Im Zentrum stand, welche Faktoren die Wirksamkeit von Tagesstrukturangeboten einer Care Farm auf die psychische Gesundheit fördern oder hemmen. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigten, dass Care Farming das Selbstwertgefühl, die Selbstwirksamkeit und die Resilienz der Teilnehmenden positiv beeinflussen kann. Förderliche Faktoren waren Motivation, individuelle Arbeitsplätze, Naturnähe, die Arbeit mit Tieren und Pflanzen sowie das Eingebundensein in eine Gemeinschaft. Als hemmend zeigte sich der Mangel an Rahmenbedingungen und Sichtbarkeit von Care Farming auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. So wird es für eine weitere Etablierung von Care Farming mehr Aufmerksamkeit, Wertschätzung sowie den Abbau struktureller und politischer Hürden brauchen.