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Das Expertentum von Klientinnen und Klienten in der sozialarbeiterischen Suchthilfe

Vergleich kontroverser theoretisch-wissenschaftlicher Modelle und eine bedenkenswerte Alternative

Sozialarbeiterisches Handeln bewegt sich kontinuierlich im Tripelmandat, das heisst im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle seitens der Gesellschaft und der Anstellungsträgerinnen und Anstellungsträger, dem impliziten oder expliziten Begehren seitens der Klientinnen und Klienten sowie der Berufsethik, den Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit (Avenir Social, 2010, S. 7). Ausgehend von den Klientinnen und Klienten Sozialer Arbeit stellt sich die Frage, ob, wann und mit welcher Begründung Autonomie eingeschränkt werden darf. Dabei liegt der Fokus auf Klientinnen und Klienten, welche von einer Suchterkrankung psychotroper Substanzen betroffen sind. Anhand der lösungsorientierten Beratung nach Steve de Shazer und der Theorie der Lebenspraxis nach Ulrich Oevermann wird erörtert, ob süchtige Menschen Expertinnen und Experten für ihr Leben sind und inwiefern sie aufgrund von Suchtsteuerung als autonom gelten. Da sich herausstellt, dass die Positionen der lösungsorientierten Beratung und der Theorie der Lebenspraxis bezüglich des Expertentums jeweils sinnvolle, aber nicht kompatible Antworten geben, wird nach einer neuen Auslegung des Expertentums in der sozialarbeiterischen Suchthilfe gesucht. Dabei fällt der Fokus auf konzeptionell-organisatorische Selbsthilfegruppen. Durch Einbezug der Konzeptionen von Selbsthilfegruppen im Suchtbereich wird eine neue Perspektive im Diskurs des Expertentums geschaffen: Alle Individuen verfügen über eine bestimmte Expertise, wobei demnach fraglich wird, ob der Terminus ‹Expertentum› in der Sozialen Arbeit überhaupt verwendet werden soll.

In Anbetracht der einbezogenen Grundlagen kristallisiert sich im Verlaufe der Bachelor-Thesis ein differenziertes Verständnis von Expertentum heraus. Schliesslich wird dafür plädiert, dass alle durch das Hilfesystem verfügbaren Ressourcen genutzt werden sollen, wobei die Autonomie der Klientinnen und Klienten zu wahren ist. Die Autonomie der süchtigen Klientinnen und Klienten darf jedoch zum Schutz vor Selbstgefährdung von Sozialarbeitenden eingeschränkt werden. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse wird erklärt werden, wie nun im Tripelmandat allen Mandaten ethisch und fachlich vertretbar Folge geleistet werden kann.

Um die erwähnten Ressourcen aller nutzbar zu machen, wird zum Schluss der Bachelor-Thesis ein Vorschlag zur lösungs- und einzelfallorientierten Kooperation in der Suchthilfe (LEKS) skizziert, wodurch schliesslich wichtige Aspekte dieser Arbeit aufgegriffen und zusammengeführt werden.

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Michelle Anken, Pascal Reusser
Das Expertentum von Klientinnen und Klienten in der sozialarbeiterischen Suchthilfe
Vergleich kontroverser theoretisch-wissenschaftlicher Modelle und eine bedenkenswerte Alternative
Bachelor-Thesis
140 Seiten
12.2019
10.26038/40177