Das Soziale im Raum
Eine qualitative Untersuchung zur Operationalisierung des Modells nach Nägeli für eine sozial nachhaltige Raumplanung an der Schnittstelle zur Sozialen Arbeit
Soziale Nachhaltigkeit gewinnt in der Raumplanung zunehmend an Bedeutung. Auf Grundlage der Raumtriade nach Lefebvre entwickelte Nägeli (2021) hierfür ein Handlungsmodell. Dieses fordert die Betrachtung des gelebten Raum als Ausgangspunkt der Planung und zeigt eine Erweiterung der Rolle der Sozialen Arbeit auf. Die Anwendbarkeit des Modells in raumplanerischen Prozessen wurde bisher nicht erforscht. Die vorliegende Arbeit untersucht mittels eines qualitativ-explorativen Forschungsdesign, wie Fachpersonen mit Expertise in der Sozialraumplanung das Handlungsmodell hinsichtlich seines Beitrags zur Berücksichtigung sozialer Aspekte in der Raumplanung beurteilen. Die durchgeführten Expert:inneninterviews wurden mittels inhaltlich-strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen eine Diskrepanz zwischen der normativen Anerkennung sozialer Nachhaltigkeit und der Umsetzung in der Planungspraxis. Eine institutionelle Verankerung dieser nach dem Modell Nägeli ist wünschenswert, erfordert zu dessen Anwendbarkeit jedoch eine Operationalisierung. Diese sollte nicht auf die Quantifizierung sozialer Aspekte, sondern auf die Standardisierung ihres Einbezugs abzielen, um qualitative Beschreibungen sowie orts- und projektspezifische Anpassungen zu berücksichtigen. Ziel ist nicht die Strukturierung des Sozialen, sondern die Förderung und der Erhalt von Zugänglichkeit und Möglichkeitsräumen. Die Ergebnisse fordern ein zirkuläres Nachhaltigkeitsverständnis und die Betrachtung von Räumen als fortlaufender Prozess. Die Soziale Arbeit kann dabei eine Rolle in der Rückkoppelung zwischen gelebtem und gebautem Raum einnehmen.