Demenz und Autonomie
Ethische Entscheidungsfindung zur Autonomiewahrung und Autonomieförderung bei Menschen mit Demenz in der Langzeitpflege
Die Wahrung und Förderung von Autonomie stellt eine zentrale ethische Herausforderung in der Langzeitpflege von Menschen mit Demenz dar. Die Achtung der Menschenwürde umfasst einen bleibenden Autonomieanspruch auch bei physischen und psychischen Erkrankungen, auch wenn zeitgleich die Autonomiefähigkeit eines Menschen mit Demenz durch den progredienten Krankheitsverlauf und damit einhergehenden kognitiven Einschränkungen abnehmen kann. Aufgrund dessen geraten Mitarbeitende der Langzeitpflege häufig in moralische Dilemmata zwischen Autonomie und Fürsorgeauftrag. Solche ethischen Dilemmata können auf Seiten des interprofessionellen Behandlungs- und Betreuungsteams zu einer Handlungsunfähigkeit führen und für den Menschen mit Demenz Einschränkungen des Autonomieanspruchs zur Folge haben. Ziel der Masterarbeit ist es, den Mitarbeitenden von Langzeitpflegeinstitutionen aufzuzeigen, wie sie mittels ethischer Entscheidungsfindung ihre Handlungsfähigkeit in Dilemmasituationen erhalten können und die Autonomie von Menschen mit Demenz bewahren und fördern können. Als Referenzmodelle der ethischen Entscheidungsfindung werden das METAP II Modell und das Sensor Modell herangezogen. Das METAP II Modell bietet ein umfassendes vierstufig strukturiertes Verfahren der ethischen Entscheidungsfindung an, welches je nach Komplexitätsgrad der vorliegenden Dilemmasituation die ethische Einzelbearbeitung durch Pflegefachpersonen, eine interprofessionelle Fallbesprechung und den Einbezug einer externen Ethikfachperson umfasst. Das Sensor Modell ermöglicht mit seinen vier Phasen der ethischen Fallbesprechung eine alltagsnahe, interprofessionelle und fundierte Reflexion von ethischen Spanungsfeldern in der Begleitung von Menschen mit Demenz. Anhand theoretischer Bezüge und der Analyse konkreter Fallbespiele aus der Praxis wird untersucht, wie diese Modelle Handlungsspielräume aufzeigen und zu einer fundierten Entscheidungsfindung beitragen können. Die Masterthesis zeigt auf, dass beide Modelle zu einer Sensibilisierung ethischer Fragestellungen beitragen und unter Einbezug der verschiedenen interprofessionellen Perspektiven, sowie durch die Berücksichtigung der persönlichen Interessen der betroffenen Person, individuell und situativ fundierte Entscheidungen ermöglichen und damit zur Autonomiewahrung von Menschen mit Demenz beitragen können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die ethische Entscheidungsfindung nicht nur auf personeller, sondern auch auf organisationaler Ebene unterstützt werden muss, um einen gelingenden Prozess zu ermöglichen.