Elternschaft jenseits der Biologie
Warum Menschen Pflegeeltern werden
Die Bachelorarbeit «Elternschaft jenseits der Biologie» von Olivia Bossert und Nicole Neuenschwander untersucht, welche Motive zur Übernahme einer Pflegeelternschaft sich bei potenziellen Pflegeeltern finden lassen und welche Faktoren ihren Entscheidungsprozess prägen. Der theoretische Bezugsrahmen umfasst gesellschaftliche Familienleitbilder sowie entscheidungs- und motivationspsychologische Ansätze. Die empirische Untersuchung basiert auf sechs leitfadengestützten Interviews, die nach Mühlfeld et al. ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Generativität, Wegbegleitung und Beziehung, Kompetenzerleben und persönliche Entwicklung sowie Sinnstiftung zentrale Motive für die Übernahme einer Pflegeelternschaft darstellen. Gleichzeitig wird deutlich, dass diese Motive allein noch nicht zur Entscheidung führen, eine Pflegeelternschaft zu übernehmen. Der Weg zur Pflegeelternschaft ist als mehrstufiger Entscheidungsprozess zu verstehen, in dem biografische Wendepunkte und konkrete Berührungspunkte die vorhandenen Motive aktivieren und Pflegeelternschaft überhaupt als mögliche Lebensperspektive in den Blick rücken lassen. Pflegeelternschaft wird dann zu einer konkreten Handlungsoption, wenn sie aufgrund persönlicher, sozialer, gesellschaftlicher und institutioneller Ressourcen als bewältigbar erscheint. Die aus den Ergebnissen abgeleiteten Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit zur Gewinnung geeigneter Pflegeeltern umfassen die Sichtbarmachung der vielfältigen Formen von Pflegeelternschaft sowie die gezieltere Ansprache potenzieller Pflegeeltern und deren professionelle Begleitung.