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Empowerment im arbeitsagogischen Kontext

Im Kanton Bern bietet eine Vielzahl von Institutionen über 3000 angepasste Arbeitsplätze für Menschen mit einer Beeinträchtigung an. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem sogenannt zweiten Arbeitsmarkt verfügen über eine Rente der Invalidenversicherung und werden bei ihrer Arbeit von Fachpersonen, häufig Arbeitsagoginnen und -agogen, begleitet. Angepasste Arbeitsplätze werden in unterschiedlichsten Bereichen angeboten und decken ein breites Spektrum an handwerklich-gewerblichen oder dienstleistungsorientierten Tätigkeiten ab. Gemeinsame Merkmale von Arbeit im zweiten Arbeitsmarkt sind, dass die Mitarbeitenden einfachere und repetitive Aufgaben verrichten und nur sehr tiefe Stundenlöhne erhalten. Zudem wird den Mitarbeitenden wenig Verantwortung und Mitbestimmung übertragen, die Entwicklungschancen innerhalb der Institutionen sind begrenzt, und ein Wechsel in den allgemeinen Arbeitsmarkt ist nur selten möglich. Allesamt gute Gründe, um als Mitarbeiterin und Mitarbeiter eine solche Anstellung als wenig sinnstiftend und fördernd anzuschauen. Ziel der Arbeit war es, deswegen die folgenden Fragestellungen zu beantworten:

1. Inwiefern stiftet Arbeit an einem angepassten Arbeitsplatz Sinn?
2. Weshalb wirkt angeleitete Arbeit rehabilitierend, befähigend und fördernd?
3. Wie lassen sich Mitarbeitende im arbeitsagogischen Setting mittels Empowerment-Konzept ermächtigen und stärken?

Die theoretische Annäherung erfolgte mittels einer Auseinandersetzung mit dem Modell der „Wirkmechanismen der Arbeitsagogik“ der Hochschule Luzern. Anschliessend wurden verschiedene Funktionen und Faktoren von Arbeit abgeleitet, und die Möglichkeiten und Grenzen von Empowerment erörtert. Die empirische Untersuchung wurde anhand von Experteninterviews durchgeführt. Dabei wurden die Kernaussagen aus insgesamt 11 Interviews mit Mitarbeitenden und Fachpersonen analysiert.
Als Ergebnis zeigte sich, dass Mitarbeitende bei ihrer Arbeit Befriedigung, Stolz, sowie eine Verbindung im Hier und Jetzt erleben. Auch die rehabilitative und fördernde Auswirkung von angeleiteter Arbeit konnte bestätigt werden. Die Mitarbeitenden nannten die Tagesstrukturierung, die Schaffung sozialer Kontakte und die Aktivierung als wichtigste Funktionen von Arbeit. Diese Beurteilung gilt es bei der Begleitung durch die Arbeitsagoginnen und -agogen entsprechend zu berücksichtigen.
Es konnte aufgezeigt werden, dass Empowerment in der Praxis besser funktioniert, wenn die Institutionen bereit sind, die vorhandenen Strukturen zu hinterfragen und anzupassen. Bei den Mitarbeitenden zeigte sich das Bewusstsein kaum ausgeprägt, für die eigenen Belange eintreten zu können. Damit die Mitarbeitenden ihre Teilhabemöglichkeiten erhöhen können, brauchen sie vielfältige Kenntnisse über ihre Möglichkeiten und Rechte. Hier benötigen sie in Zukunft mehr Unterstützung, auch durch die Fachpersonen der Sozialen Arbeit, welche ihnen dieses Wissen in Form von Beratung oder Kursen vermitteln und zugänglich machen.

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Pascal Schneeberger
Empowerment im arbeitsagogischen Kontext
Bachelor-Thesis
89 Seiten
12.2019
10.26038/36069