Erfolgsmodell und neue Grenzen
Anpassungsbedarf des Schweizer Suchthilfesystems und der Sozialen Arbeit angesichts des zunehmenden Kokain- und Crackkonsums
In einzelnen Schweizer Städten haben sich offene Crackszenen entwickelt. Auch der Kokainkonsum in Pulverform ist nicht mehr als Randphänomen zu betrachten. Vor diesem Hintergrund untersucht die Bachelorarbeit «Erfolgsmodell und neue Grenzen» von Joy Odermatt, welcher Anpassungsbedarf sich für das Schweizer Suchthilfesystem und insbesondere für die Soziale Arbeit aus dem zunehmenden Kokainkonsum ergibt. Ausgangspunkt der Analyse sind das bio-psycho-soziale Verständnis von Sucht, die Schweizer Drogenpolitik und die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit im Suchthilfesystem. Im Rahmen einer Fachliteraturarbeit werden anhand wissenschaftlicher Fachliteratur, statistischen Daten, politischen Dokumenten und ausgewählten Medienbeiträgen aktuelle Entwicklungen des Kokainkonsums untersucht und daraus Anforderungen an das Suchthilfesystem abgeleitet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vier-Säulen-Politik weiterhin eine tragfähige Grundlage bildet, bestehende Angebote jedoch an veränderte Konsummuster und unterschiedliche Lebenslagen angepasst werden müssen. Beim Konsum von Kokainpulver stehen insbesondere zielgruppenspezifische Prävention, Sensibilisierung und Entstigmatisierung im Vordergrund. Im Zusammenhang mit dem Crackkonsum sind vor allem die Weiterentwicklung schadensmindernder Angebote, die Sicherung niederschwelliger Unterstützung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Bedeutung. Darüber hinaus besteht in der Suchthilfe Forschungsbedarf zur Wirksamkeit sozialarbeiterischer Interventionen, da entsprechende Nachweise für die fachliche Weiterentwicklung, die Finanzierung und Legitimation sozialarbeiterischer Angebote zentral sind.