Gehört und verstanden?
Sexuelle Selbstbestimmung zwischen Anspruch und Wirklichkeit - eine qualitative Betrachtung sexueller Selbstbestimmung von Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigungen im Heimkontext
Sexuelle Selbstbestimmung ist ein grundlegendes Menschenrecht, dessen Umsetzung im institutionellen Kontext von Jugendlichen mit Lernbehinderungen mit besonderen Herausforderungen verbunden ist. Die vorliegende qualitative Bachelorarbeit untersucht, inwiefern die theoretischen Grundlagen sexueller Selbstbestimmung mit den subjektiven Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen von Jugendlichen mit Lernbehinderungen im institutionellen Kontext übereinstimmen und wie sich dies in der Praxis zeigt. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden fünf problemzentrierte Interviews nach Witzel & Reiter durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sexuelle Selbstbestimmung aus Sicht der Jugendlichen auf Autonomie, respektvollen Beziehungen und alltäglicher Mitbestimmung aufbaut. Als zentrale Voraussetzungen sexueller Selbstbestimmung erweisen sich Partizipation, Privatsphäre, soziale Teilhabe, sexuelle Bildung sowie eine vertrauensvolle und kontinuierliche Begleitung durch Fachpersonen. Gleichzeitig beeinflussen institutionelle Strukturen, Schutzanforderungen und professionelle Begleitung die Möglichkeiten sexueller Selbstbestimmung wesentlich. Der Abgleich der theoretischen Grundlagen mit den subjektiven Erfahrungen macht sowohl Übereinstimmungen als auch Diskrepanzen zwischen fachlichem Anspruch und gelebter Praxis sichtbar. Daraus werden Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit abgeleitet, die auf eine stärkere Beteiligung Jugendlicher, die Förderung einer sexualfreundlichen Institutionskultur sowie die Umsetzung sexueller Selbstbestimmung als Menschenrecht ausgerichtet sind.