Genderbasierte verbale Gewalt gegen Frauen in der Politik
wie Gewaltbeobachtungen das Handeln und die Partizipation von Frauen in der Politik beeinflussen
Diese Masterarbeit untersucht, wie genderbasierte verbale Gewalt im politischen Raum das Engagement von Frauen in politischen Ämtern beeinflusst. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie sich wiederholte genderbasierte verbale Gewalt gegen politisch aktive Frauen auf das Verhalten und Engagement anderer politisch aktiver Frauen auswirkt. Die Relevanz des Themas ergibt sich aus dem weiterhin bestehenden Ungleichgewicht in der politischen Beteiligung von Frauen und Männern in der Schweiz. Die Arbeit folgt einem qualitativen Forschungsansatz mittels problemzentrierter Interviews, die in der Ausrichtung an der Grounded Theory ausgewertet werden. Ziel ist es, die Perspektiven politisch aktiver Frauen in Bezug auf beobachtete Gewalterfahrungen zu erfassen und zu untersuchen, wie sich das Miterleben der Gewaltvorfälle auf ihre eigene Handlungsmotivation auswirkt. Dadurch soll erhellt werden, was es an Bedingungen bedarf, um einen angstfreien und selbstbestimmten Zugang zu politischer Partizipation zu ermöglichen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass genderbasierte verbale Gewalt zum politischen Alltag vieler Frauen gehört und einen Teil ihrer Lebensrealität ausmacht. Politikerinnen bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Selbstschutz und Selbstermächtigung. Gewalt wirkt als Exklusionsmechanismus und behindert den Prozess der Gleichstellung. Das Miterleben verbaler Übergriffe löst Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit aus. Nicht nur Betroffene, sondern ebenso Beobachtende befinden sich in einem kontinuierlichen inneren Aushandlungs-prozess ? einem Balanceakt zwischen Auflehnung und Anpassung. Situativ muss von den Betroffenen entschieden werden, ob Übergriffe ignoriert oder thematisiert werden sollen. Ins-gesamt zeigt sich, dass genderbasierte verbale Gewalt die Selbstwirksamkeit der Betroffenen mindert und deren politische Beteiligung negativ beeinflusst. Als Handlungsansatz für die Soziale Arbeit wird die gezielte Arbeit mit männlich gelesenen Personen betont. Die Ergebnisse machen deutlich, dass ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein im Hinblick auf geschlechterbezogene Machtverhältnisse notwendig ist. Eine gesellschaftliche Veränderung kann nur gelingen, wenn eine gemeinsame Wahrnehmung der Problematik und ein kollektives Bewusstsein für diskriminierende Strukturen etabliert werden.