Im Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Sicherheit

Eine qualitative Studie zu Ausgrenzungserfahrungen, Schutzbedarfen und strukturellen Anforderungen im Umgang mit queeren geflüchteten Personen in Schweizer Asylunterkünften

Geflüchtete Personen und ihre prekären Unterbringungssituationen in Schweizer Asylunterkünften stehen immer wieder im medialen und politischen Fokus. Während sich nationale, sowie internationale Forschungsarbeiten mit den schwierigen Bedingungen in Asylstrukturen befassen, bleiben die spezifischen Lebensrealitäten queerer geflüchteter Personen weitgehend unsichtbar. Dies, obwohl unterschiedliche NGOs und queere Organisationen seit langem von Diskriminierung, Ausgrenzung und den belastenden Situationen von geflüchteten LSBTIQ* Personen berichten. Die vorliegende Bachelorarbeit setzt an dieser Forschungslücke an und verfolgt das Ziel, die Erfahrungen queerer geflüchteter Personen im Asylkontext sichtbar zu machen und damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung von inklusiven und sicheren Rahmenbedingungen, insbesondere in Schweizer Asylunterkünften, zu leisten. Im Zentrum steht die Frage, welche ausgrenzenden Erfahrungen LSBTIQ* geflüchtete Personen in Schweizer Asylunterkünften machen und welche Anforderungen sich daraus für diskriminierungssensible Unterstützungsstrukturen und Schutzräume bzw. Ressourcen ableiten lassen. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Konzepte der Queer Theory, der Intersektionalität sowie postkolonialen Ansätzen, um strukturelle Machtverhältnisse und dominante normative Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht sichtbar zu machen und deren Einfluss auf die Lebensrealität queerer geflüchteter Personen zu analysieren. Zur Untersuchung der Fragestellung wurden qualitative, leitfadengestützte Interviews mit acht queeren geflüchteten Personen geführt, die derzeit in Schweizer Asylunterkünften untergebracht sind oder dies bis vor kurzem waren. Die Auswertung erfolgt anhand einer inhaltlich strukturierten qualitativen Inhaltsanalyse.

Die Ergebnisse zeigen, dass queere geflüchtete Personen vielfältige Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt durch Mitbewohnende, als auch Mitarbeitende der Asylunterkünfte erfahren. Ebenso wird ersichtlich, dass Asylunterkünfte strukturell von heteronormativen Ordnungen geprägt sind, welche die Stigmatisierung und Ausgrenzung queerer geflüchteter Menschen verstärken. Schutzstrukturen sind zudem häufig an eine erwartete Sichtbarmachung der queeren Identität gebunden, was in Anbetracht der individuellen Lebenshintergründe und Sicherheitsbedenken nicht immer möglich ist. Als zentrale Ressourcen werden Community Angebote, gegenseitiger Peer Support und Schlüsselfiguren innerhalb queerer Unterstützungssysteme benannt. Aus den Ergebnissen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Es braucht tragfähige diskriminierungssensible Schutzkonzepte, die verbindlich umgesetzt und regelmässig überprüft werden. Die Soziale Arbeit trägt massgebend Verantwortung dafür, sich im Rahmen ihrer professionellen Kompetenzbereiche für eine gerechte und adäquate Unterbringung queerer geflüchteter Personen einzusetzen.

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Nic Senften, Salima Tajouri
Im Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Sicherheit
Eine qualitative Studie zu Ausgrenzungserfahrungen, Schutzbedarfen und strukturellen Anforderungen im Umgang mit queeren geflüchteten Personen in Schweizer Asylunterkünften
Bachelor-Thesis
133 Seiten
2025
10.26038/1945445