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Institutionalisierung der Frauenhausarbeit und mögliche Auswirkungen auf die heutige Praxis der Sozialen Arbeit

Ein Vergleich zwischen der Schweiz und Spanien

Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Institutionalisierung der Frauenhausarbeit in der Schweiz und in Spanien sowie mit deren Auswirkungen auf die Arbeit mit betroffenen Frauen in den Frauenhäusern heute. Dabei wird insbesondere die Rolle der feministischen Bewegungen beider Länder beleuchtet, welche diese Institutionen hervorbrachten und entscheidend prägten - und dies in mancher Hinsicht bis heute tun.

Nach einer Einführung in die theoretischen Grundlagen des Phänomens wird in einem ersten Schritt analysiert, wie sich das Thema der Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehung im Verlaufe verschiedener Institutionalisierungsprozesse gegen Ende des 20. Jahrhunderts von einer zunächst individuell begriffenen, gesellschaftlich tabuisierten Problematik zu einer öffentlichen, von Staat und Gesellschaft anerkannten entwickelt hat. In einem zweiten Schritt werden die Interventionen im Bereich der Sozialen Arbeit mit betroffenen Frauen in den heutigen Frauenhäusern thematisiert. Dabei wird der Fokus insbesondere auf Methoden und Prinzipien der feministischen Sozialen Arbeit gelegt. In beiden Teilen werden die beiden Kontexte miteinander verglichen.

Als Haupterkenntnis konnte die unterschiedliche gesellschaftliche und institutionelle Interpretation der Gewalt gegen Frauen herauskristallisiert werden: In der Schweiz wird die Thematik stark auf die individuellen Beziehungen beziehungsweise Familien bezogen, während in Spanien ein ausgeprägteres Bewusstsein für die strukturelle, gesamtgesellschaftliche Dimension des Problems zu bestehen scheint. Obwohl die heutige Praxis in den Frauenhäusern beider Kontexten viele Gemeinsamkeiten aufzeigt, haben diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen Auswirkungen auf verschiedene Ebenen: auf die Benennung des Phänomens sowie auf die Erklärungsansätze hinsichtlich seiner Entstehung. Um diese Unterschiede zu analysieren, wurden in dieser Arbeit soziohistorische, politische und rechtliche Rahmenbedingungen in den beiden Ländern diskutiert. Auch die Entwicklung der jeweiligen feministischen Bewegungen spielte eine Rolle: In beiden Kontexten sind diese im Vergleich mit anderen europäischen Ländern eher spät entstanden. In Spanien haben sich feministische Bewegungen seit Ende der Diktatur unter Francisco Franco (1975) stärker entwickelt als in der Schweiz und mit der Jahrtausendwende noch einmal an Bedeutung gewonnen. In der Schweiz hingegen haben sich die Frauenhäuser trotz des einst stark feministisch geprägten Selbstverständnisses im Laufe der Institutionalisierung und Professionalisierung der Frauenhausarbeit zunehmend von einer Genderperspektive distanziert.

 

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Lynn Berger, Sereina Simonis
Institutionalisierung der Frauenhausarbeit und mögliche Auswirkungen auf die heutige Praxis der Sozialen Arbeit
Ein Vergleich zwischen der Schweiz und Spanien
Bachelor-Thesis
118 Seiten
12.2020
10.26038/226919