„Jetzt habe ich allerdings das Gefühl, dass es da irgendwie ein wenig einen Draht gibt“

Praxisfeld Bewährungshilfe: Die Arbeitsbeziehung aus Klient*innensicht

Die Bewährungshilfe stellt ein zentrales Praxisfeld der Sozialen Arbeit dar, in dem der Arbeitsbeziehung zwischen Fachperson und Klient*innen eine hohe Bedeutung als Wirkfaktor zukommt. Empirische Befunde zeigen, dass tragfähige Arbeitsbeziehungen rückfallpräventiv wirken. Gleichzeitig ist ihre Gestaltung durch den Zwangskontext der Bewährungshilfe besonders herausfordernd. Während bisherige Forschung häufig die Perspektive der Fachpersonen in den Fokus stellt, richtet die vorliegende Masterthesis den Blick auf das subjektive Erleben der Klient*innen. Die explorative Fragestellung lautet: Wie erleben Klient*innen die Arbeitsbeziehung zu ihren Bewährungshelfenden? Ziel der Arbeit ist es, zentrale Faktoren herauszuarbeiten, die das Erleben der Arbeitsbeziehung aus Sicht der Klient*innen prägen. Methodisch folgt die Arbeit einem qualitativen Forschungsdesign. Es wurden sieben teilnarrative Interviews mit Klient*innen der Bewährungshilfe in einem Deutschschweizer Kanton geführt. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitsbeziehungen von den Klient*innen sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Aus dem Datenmaterial konnten die drei Themenkreise Sinnhaftigkeit, Autonomieeinschränkung und Vorerfahrungen als prägend für das Erleben der Arbeitsbeziehung herausgearbeitet werden. In der Diskussion werden diese Ergebnisse insbesondere bezüglich der Querschnittthemen Vertrauen, prozedurale Gerechtigkeit und Motivorientierung eingeordnet. Die Befunde verdeutlichen, dass die Ausgestaltung der Arbeitsbeziehung im Praxisfeld der Bewährungshilfe nicht dem Zufall überlassen werden darf, sondern bewusst und reflektiert erfolgen muss. Abschliessend werden praxisbezogene Empfehlungen formuliert, unter anderem zum bewussten Einbezug biografischer Vorerfahrungen, zur Auftrags- und Rollenklärung sowie zu Dos und Don’ts der Beziehungsgestaltung im Zwangskontext.

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Nicolas Miauton
„Jetzt habe ich allerdings das Gefühl, dass es da irgendwie ein wenig einen Draht gibt“
Praxisfeld Bewährungshilfe: Die Arbeitsbeziehung aus Klient*innensicht
Master-Thesis
84 Seiten
2026
10.26038/1960596