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Jugendliche auf Kurve: Entweichungen aus dem Heim

Forschung mit Jugendlichen im Zwangskontext

Für Kinder- und Jugendheime ist das „auf Kurve gehen“ – also das Davonlaufen oder Ausreissen – eine Realität im pädagogischen Alltag. Eine Entweichung aus dem Heim stellt alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen und aktiviert administrative, strukturelle sowie emotionale Prozesse. Das Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, subjektive Perspektiven von Jugendlichen zum Thema zu erfassen und theoretisch zu verorten. Die Fragestellungen beziehen sich auf die auslösenden Faktoren, Funktionen und Auswirkungen von Entweichungen aus dem Heim. Innerhalb dieser qualitativen Forschungsarbeit wurden, in Anlehnung an das problemzentrierte Interview nach Witzel, Befragungen mit Jugendlichen im geschlossenen Setting der Jugendhilfe durchgeführt. Die Datenauswertung erfolgte in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Erkenntnisse aus den Befragungen wurden unter anderem mit Theorien abweichenden Verhaltens, Bindungstheorien und der Reaktanztheorie verknüpft. Die ursprüngliche Fragestellung konnte beantwortet, Diskussionsansätze und mögliche Handlungsempfehlungen für die Praxis herausgearbeitet werden. Wichtige Ansatzpunkte scheinen dabei unter anderem die subjektiv als mangelnd empfundenen Partizipationsmöglichkeiten im Hilfeprozess, wechselnde Platzierungen, sowie der eingeschränkte Zugang zu Bezugspersonen aus Familie und der Peergroup zu sein. Diese Arbeit soll einen Anstoss zum Diskurs über die genannten Faktoren in der Kinder- und Jugendhilfe geben und Professionelle der Sozialen Arbeit für die Thematik von Entweichungen sensibilisieren.

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Anja Schöb, Katrin Vonwyl
Jugendliche auf Kurve: Entweichungen aus dem Heim
Forschung mit Jugendlichen im Zwangskontext
Bachelor-Thesis
84 Seiten
06.01.2020
10.5281/zenodo.3693630