Menstruationszyklus am Arbeitsplatz von Sozialarbeitenden
Eine quantitative Forschungsarbeit zum institutionellen und persönlichen Umgang in der Sozialen Arbeit
Die Menstruation ist ein natürlicher biologischer Prozess, der jedoch gesellschaftlich tabuisiert wird und sich auf verschiedene Lebensbereiche auswirkt. In der Arbeitswelt zeigen sich diese Herausforderungen für Menstruierende deutlich. Als überwiegend weiblich geprägtes Berufsfeld ist das Thema für die Soziale Arbeit besonders relevant. In der vorliegenden Bachelorarbeit «Menstruationszyklus am Arbeitsplatz von Sozialarbeitenden» untersuchte Leana Kellenberger, wie Sozialarbeitende den institutionellen und persönlichen Umgang mit dem Menstruationszyklus am Arbeitsplatz wahrnehmen. Mittels quantitativer Online-Befragung wurden 260 menstruierende Sozialarbeitende zu ihren Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass 90 % Menstruationsbeschwerden erleben, 77 % trotz Beschwerden weiterarbeiten und 23 % sich krankmelden. Die Tabuisierung zeigte sich darin, dass 56 % der Krankgemeldeten den wahren Grund verschwiegen, hauptsächlich aus Furcht vor negativen Reaktionen. Diese Befürchtungen sind nicht unbegründet, da 19 % bereits negative Erfahrungen gemacht haben. 45 % verfügen über keine Unterstützungsangebote am Arbeitsplatz, jedoch würden 82 % solche befürworten. Zudem bestehen berufsfeldspezifische Unterschiede: In der Sozialarbeit besteht mehr Flexibilität für zyklusgerechte Arbeitsgestaltung als in der Sozialpädagogik sowie der soziokulturellen Animation. Die Ergebnisse zeigen, dass menstruationsfreundliche Arbeitsplätze durch kostenlose Menstruationsprodukte, Ruheräume und eine offene Gesprächskultur geschaffen werden könnten. Als Menschenrechtsprofession sollte sich die Soziale Arbeit diesem Thema widmen und entsprechende Entwicklungen vorantreiben.