Verweigerung als Bewältigungsstrategie

ein Beitrag zur Förderung der Zusammenarbeit

Jugendliche befinden sich in einer herausfordernden Lebensphase. Nicht alle haben die nötigen Ressourcen und Fähigkeiten, gestellte Aufgaben zu meistern. Diese Herausforderungen können Jugendliche in Stresssituationen bringen, welche manche mit Verweigerung bewältigen. Auch kann bei Jugendlichen aufgrund ihrer Lebensbedingungen eine Mehrfachproblematik resultieren. Um mit diesen Jugendlichen, welche in verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit anzutreffen sind, eine gelingende Zusammenarbeit gestalten zu können, bedarf es im Allgemeinen eines breiten Fachwissens, einer wertschätzenden Haltung und eines vielseitigen Handlungsrepertoires. Genau darum geht es in unserer Bachelor-Thesis mit der Hauptfrage: Welche Möglichkeiten und Grenzen ergeben sich für die Soziale Arbeit in der Zusammenarbeit mit mehrfachbelasteten Jugendlichen, die als Bewältigungsstrategie Verweigerung anwenden? Um diese Frage zu beantworten, haben wir neben dem Studium von Fachliteratur mittels zweier semistrukturierter Interviews mit Fachpersonen eine vielseitige Sicht aus der Praxis erlangt und durch ein narratives Interview mit einer betroffenen Jugendlichen eine hilfreiche individuelle Perspektive auf die Thematik gewonnen. Gesamthaft hat sich für uns gezeigt, dass es einerseits massgeblich ist, dass Fachpersonen Sozialer Arbeit das nötige Fachwissen über die Adoleszenz und über mögliche psychische Störungen aufweisen und über das Bewusstsein verschiedener Lebensbereiche von Jugendlichen verfügen. Andererseits gilt es in der Zusammenarbeit als Sozialarbeitende auf die Individualität der Jugendlichen einzugehen, was einem breiten Handlungsrepertoire mit verschiedenen Methoden, Techniken und Arbeitsprinzipien bedarf, um insbesondere die Beziehung und das Vertrauen zu den Jugendlichen zu stärken. Denn Verweigerung ist meist das Resultat einer Überforderung oder gar Hilflosigkeit. Hinter jeder Verweigerung steckt dementsprechend ein Bedürfnis, welches es zu ergründen gilt. Bedeutsam in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen, die sich verweigern, ist auch der Umgang mit Grenzen. Es ist wichtig, dass persönliche und institutionelle Grenzen erkannt werden, diese entweder akzeptiert werden und ein Umgang damit gefunden wird oder ausdrücklich institutionelle Grenzen kritisch hinterfragt und allenfalls im Sinne der Klientel angepasst werden.

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Nora Sieber, Christine Sury
Verweigerung als Bewältigungsstrategie
ein Beitrag zur Förderung der Zusammenarbeit
Bachelor-Thesis
86 Seiten
05.2023
10.26038/877412