Partizipation und Beistandschaft: Ein Widerspruch in sich?
Wie Berufsbeistandspersonen Partizipation im Erwachsenenschutz umsetzen und welche Herausforderungen dabei entstehen. Eine qualitative Forschungsarbeit
Die Bachelorarbeit Partizipation und Beistandschaft: Ein Widerspruch in sich? von Céline Erni und Rahel Meierhans untersucht, wie Partizipation im Rahmen der Berufsbeistandschaft im Erwachsenenschutz umgesetzt wird und welche Herausforderungen sich ergeben. Im Zentrum steht die Frage, wie Berufsbeistandspersonen partizipative Prozesse im Spannungsfeld von gesetzlichem Schutzauftrag, hoher Fallbelastung sowie begrenzten zeitlichen und personellen Ressourcen gestalten. Obwohl Partizipation rechtlich und berufsethisch verankert ist, fehlen bislang fachliche Konzepte für deren Umsetzung in der Mandatsführung im Erwachsenenschutz.
Zur Beantwortung der Fragestellung wurden im Rahmen einer qualitativen Forschung vier leitfadengestützte Interviews mit Berufsbeistandspersonen im Kanton Luzern durchgeführt. Analysiert wurden das professionelle Verständnis von Partzipation und deren Umsetzung im Rahmen der Mandatsführung.
Die Ergebnisse verdeutlichen ein Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf Partizipation und den begrenzten Handlungsmöglichkeiten im Praxisalltag. Partizipation wird von den befragten Berufsbeistandspersonen als bedeutsamer Bestandteil professioneller Mandatsführung verstanden, bleibt jedoch aufgrund knapper zeitlicher Ressourcen, hoher Fallzahlen und institutioneller Vorgaben begrenzt umsetzbar. Die vorliegende Bachelorarbeit zeigt, dass gelingende Partizipation insbesondere ausreichende Zeitressourcen, institutionelle Unterstützung und eine reflektierte professionelle Haltung erfordert.