Rahmenbedingungen schulischer Ausbildung
Perspektiven von Menschen im Rollstuhl
Die schulische Teilhabe von Menschen im Rollstuhl ist trotz gesetzlicher Grundlagen, die eine Gleichstellung vorsehen, nach wie vor durch strukturelle, soziale und institutionelle Barrieren erschwert. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Rahmenbedingungen des Bildungssystems auf die Bildungswege und das Erleben des Alltags von Rollstuhlnutzenden auswirken. Durch vier Interviews mit Menschen im Rollstuhl, sowie einer theoriegeleiteten Analyse, werden zentrale Hindernisse, Bewältigungsstrategien und Handlungsspielräume sichtbar gemacht. Die Ergebnisse zeigen auf, dass Bildung zwar formal zugänglich, aber praktisch aufgrund mangelnder Unterstützung, erhöhtem Aufwand und fehlender Sensibilisierung verbunden ist. Im Alltag sind individuelle Lösungen erforderlich, da sich systemische Konzepte bisher zu wenig etablierten oder nicht genügend detailliert ausgestaltet sind. Die Soziale Arbeit hat nebst der Stärkung individueller Ressourcen die Aufgabe, strukturelle Veränderung anzustossen, um so inklusive Rahmenbedingungen aktiv mitzugestalten. Bildung muss nicht nur erreichbar, sondern auch zumutbar und teilhabefördernd sein, auch für Menschen im Rollstuhl. Sichtbarkeit, Anerkennung und institutionelle Verantwortung sind dabei zentrale Elemente. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die Gewährleistung von Barrierefreiheit nicht allein eine technische, sondern auch eine soziale und eine politische Aufgabe ist. Eine inklusive Bildungslandschaft setzt voraus, dass Diversität in jedem Fall von sich aus angestrebt und nicht erst nachträglich berücksichtigt wird. Die Soziale Arbeit hat hier die Aufgabe, Brücken zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Strukturen zu bauen.