Sexualpädagogik in der Sozialen Arbeit mit Fokus Rassismus
Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden aus intersektionaler Perspektive
Sexualaufklärung ist ein Menschenrecht und eine zentrale Grundlage für sexuelle Gesundheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe. Dennoch können nicht alle Menschen dieses Recht unter denselben Voraussetzungen wahrnehmen. Insbesondere unbegleitete minderjährige Asylsuchende sind aufgrund ihrer Fluchtbiografie, ihres Aufenthaltsstatus sowie rassistischer und weiterer intersektionaler Ungleichheitsverhältnisse mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Gleichzeitig werden intersektionale Perspektiven in sexualpädagogischen Konzepten bislang nur unzureichend berücksichtigt. Ziel dieser Literaturarbeit ist es, Handlungsempfehlungen für die Praxis von Sozialarbeiter*innen abzuleiten, wie sexualpädagogische Angebote für unbegleitete minderjährige Asylsuchende rassismuskritisch, diskriminierungssensibel und intersektional gestaltet werden können. Grundlage bildet eine systematische Auswertung interdisziplinärer deutschsprachiger Fachliteratur aus den Bereichen Sexualpädagogik, Soziale Arbeit, Flucht und Migration, Rassismus sowie Intersektionalität. Die Analyse zeigt, dass gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse den Zugang zu sexueller Aufklärung sowie Bildungs- und Teilhabechancen erheblich beeinflussen können. Die Ursachen-Wirkungs-Analyse auf gesellschaftlicher, institutioneller und individueller Ebene zeigt, dass Diskriminierung auf allen Ebenen reproduziert wird und sich diese wechselseitig beeinflussen. Zudem wird deutlich, dass sich kulturalisierende Deutungsmuster auch in wissenschaftlichen, institutionellen und sexualpädagogischen Kontexten unbeabsichtigt reproduzieren können. Daraus ergeben sich Anforderungen an eine diskriminierungskritische und menschenrechtsorientierte Praxis. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen für die Praxis von Sozialarbeiter*innen stellen Empowerment, die Reflexion professioneller Haltungen, die Anerkennung vielfältiger Lebensrealitäten, die Vermeidung diskriminierender Zuschreibungen sowie die Förderung von Partizipation in den Mittelpunkt.