Soziale Diagnostik in der Psychiatrie

Über den Nutzen der Sozialen Diagnostik zur Förderung der Autonomie der Klientinnen und Klienten


ISBN-Nr.:
978-3-03796-712-6
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Bachelor-Thesen (BSc)
Seitenzahl:
89
Erscheinungsjahr:
2018
Publikationsdatum:
15.02.2019
Verlag / Hochschule
Edition Soziothek
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Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht die Frage, inwiefern Sozialarbeitende in der Psychiatrie Soziale Diagnostik nutzen können, um die Autonomie der Klientinnen und Klienten zu wahren und zu fördern. Dazu analysierten der Autor und die Autorin den Begriff und die Funktion der Sozialen Diagnostik. Diese dient als strukturierende Grundlage für problem- und ressourcenbezogene Interventionen. Ergebnisse liefert sie in Form von Hypothesen, an denen gemeinsam mit der Klientel gearbeitet wird. Es gibt verschiedene Theorien und Methoden, die sich als sozialdiagnostisch verstehen und zwischen denen teilweise grosse Unterschiede im Vorgehen vorhanden sind. Das hat mit der bewegten Geschichte und mit der Diskussion darum zu tun, ob klassifikatorisch oder rekonstruktiv diagnostiziert werden soll. Obwohl der Begriff heute nicht einheitlich verwendet wird, ist man sich einig, dass es in der Sozialen Arbeit eine solide Grundlage für Interventionen braucht und sich Soziale Diagnostik dafür eignet, eine solche zu erarbeiten.

Die Literatur sowie die relevanten Berufscodizes zeigen, dass Autonomie ein wichtiger Wert in der Psychiatrie ist. Trotzdem wird sie heute teilweise durch Zwangsmassnahmen eingeschränkt. Dahinter steht die Frage nach dem richtigen Mass an Fürsorge und Selbstbestimmung, welche heute nicht abschliessend geklärt ist. Es ergibt sich für die Autorin und den Autoren jedoch eine mögliche Lösung für dieses Spannungsverhältnis, wenn Sozialarbeitende die autonomen Entscheidungen der Klientel zwar kritisch hinterfragen, grundsätzlich aber akzeptieren und für die Anliegen der Klientel anwaltschaftlich einstehen. Die Wichtigkeit dafür wird anhand des Recoverykonzepts deutlich, welches zeigt, dass sich Zwang bzw. fehlende Selbstbestimmung gesundheitsgefährdend auswirken kann.

Vom Empowermentkonzept wurden bestimmte Kriterien abgeleitet, welche anschliessend mit konkreten sozialdiagnostischen Instrumenten abgeglichen wurden, um herauszufinden, ob sie das Potenzial zur Autonomieförderung haben. Anhand dieser Analyse wird aufgezeigt, dass sich die ausgewählten Instrumente grundsätzlich für dieses Vorhaben eignen. Es wurden aber von keinem Instrument sämtliche Kriterien erfüllt.

Es zeigt sich weiter, dass Empowerment über die Anwendung der Instrumente hinaus geht, so dass sich die Haltung der Fachpersonen gegenüber der Klientel sowie die Gestaltung der professionellen Beziehung als weitere Faktoren zur Autonomieförderung identifizieren liessen. Durch die Analyse der Forschungsliteratur konnte zudem festgestellt werden, dass der Mehrwert für die Klientel gering ist, wenn in den interdisziplinären Teams nur Sozialarbeitende ihre Diagnostik auf Empowerment ausrichten. Für eine konsequente Wahrung und Förderung der Selbstbestimmung der Klientel muss das Empowermentkonzept in der ganzen Institution implementiert werden. Eine empirische Forschung, ob eine Förderung von Autonomie durch die dargelegten Faktoren erreicht werden kann, fehlt bisher.
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