Sozialpädagogische Deutungen abweichenden Verhaltens weiblicher Jugendlicher

Eine qualitative Untersuchung in geschlossenen Unterbringungen

Abweichendes Verhalten weiblicher Jugendlicher wird gesellschaftlich oft anders bewertet als das von männlichen Jugendlichen. Studien zeigen, dass ihnen häufiger eine besondere Schutzbedürftigkeit zugeschrieben wird und sie in stationären Einrichtungen als besonders belastet und herausfordernd gelten. Gerade in geschlossenen Unterbringungen, in denen Jugendliche unter strenger Kontrolle leben, haben Sozialpädagog*innen einen grossen Einfluss darauf, wie Verhalten eingeschätzt und behandelt wird. Obwohl diese Einrichtungen immer wieder Gegenstand von Diskussionen sind, ist bislang kaum erforscht, wie Fachpersonen das Verhalten weiblicher Jugendlicher dort tatsächlich wahrnehmen.

Diese Bachelorarbeit untersucht deshalb, wie Sozialpädagog*innen in geschlossenen Unterbringungen abweichendes Verhalten weiblicher Jugendlicher deuten. Dazu wurden vier narrative Interviews mit Fachpersonen aus zwei geschlossenen Einrichtungen geführt und nach der Grounded Theory Methode ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass abweichendes Verhalten als Bewältigungsstrategie verstanden wird, das unterschiedliche Formen wie Sexarbeit, Selbstverletzung, Anschuldigungen, Gruppenkonflikte und Delinquenz annehmen kann. Die Ursachen werden vorwiegend auf traumatische Erlebnisse im Familiensystem zurückgeführt.

Die Auswertung veranschaulicht zudem, dass sozialpädagogische Deutungen durch Geschlechterrollen, institutionelle Konzepte und gesellschaftliche Erwartungen beeinflusst werden und ihre Interpretationen daher keine objektiven Tatsachen darstellen. Daraus ergeben sich Empfehlungen für die Praxis, die sich insbesondere auf die Reflexion von Macht und eigenen Zuschreibungen beziehen.

Mehr Weniger
Sarina Wyss
Sozialpädagogische Deutungen abweichenden Verhaltens weiblicher Jugendlicher
Eine qualitative Untersuchung in geschlossenen Unterbringungen
Bachelor-Thesis
11.08.2025