Sozialpädagogische Familienbegleitung mit selbstbeantragter Fallfinanzierung

Mehr Empowerment? Eine qualitative Untersuchung im Kanton Zürich

Die Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung ist häufig stigmatisiert. Dies kann dazu führen, dass Familien nicht die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um das Kindeswohl zu sichern und zu fördern. Mit dem neuen Kinder- und Jugendheimgesetz versucht der Kanton Zürich den Zugang zur Sozialpädagogischen Familienbegleitung durch ein neues Selbstmeldemodell zu erleichtern. Neu können Eltern einen Antrag auf Kostenübernahme direkt beim Amt für Jugend und Berufsberatung stellen, ohne eine dritte Stelle zu involvieren.

Diese Bachelorarbeit untersucht qualitativ, inwiefern Eltern im Selbstmeldemodell Empowerment erfahren. Gespräche mit Anbietendenorganisationen und betroffenen Familien zeigen, dass die neuen strukturellen Rahmenbedingungen die Selbstorganisation der Familien fördern und ihre Handlungsfähigkeit stärken können. Gleichzeitig zeigt sich, dass die praktische Umsetzung von Empowerment ein hohes Mass an Ressourcen und Kompetenzen bei den Eltern voraussetzt, wodurch soziale Ungleichheiten und Teilhabebarrieren verstärkt werden können. Die Komplexität der Arbeitsbeziehung fordert eine hohe Professionalität der Fachpersonen. Zudem führen Kapazitätsgrenzen auf beiden Seiten zu Frustration. Besonders bei Kindeswohlgefährdungen zeigt sich, dass das Doppelmandat der Sozialen Arbeit nicht aufgelöst werden kann und die kollaborative Zusammenarbeit an Grenzen stösst.

Zur Weiterentwicklung des Selbstmeldemodells wird empfohlen, den Informationszugang zu verbessern, Wartezeiten zu verringern und das professionelle Selbstverständnis weiterzuentwickeln. Das komplexe Praxisfeld erfordert eine kontinuierliche Reflexion von individueller Hilfe und struktureller Gerechtigkeit.

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Markus Arnold, Eveline Moor
Sozialpädagogische Familienbegleitung mit selbstbeantragter Fallfinanzierung
Mehr Empowerment? Eine qualitative Untersuchung im Kanton Zürich
Bachelor-Thesis
11.08.2025