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Stigmatisierende Soziale Arbeit?

Stigmatisierung von Menschen mit substanzgebundener Abhängigkeit durch die Soziale Arbeit und Möglichkeiten für eine nicht-stigmatisierende Praxis

Stigmatisierung und Ablehnung gegenüber Menschen mit einer substanzgebundenen Abhängigkeit durch Strukturen und Mitglieder der Gesellschaft ist allgemein bekannt und auch in der Schweiz ausgeprägt. Ob und inwiefern jedoch auch Strukturen und Professionelle der Sozialen Arbeit gegenüber Menschen mit substanzgebundener Abhängigkeit stigmatisierend wirken, scheint hingegen wenig bekannt. Die vorliegende Bachelor-Thesis fragt daher:

"Inwiefern erleben Menschen mit einer substanzgebundenen Abhängigkeit Stigmatisierung durch die Soziale Arbeit und welche Möglichkeiten gibt es für eine nicht-stigmatisierende Praxis?"

Ein besonderes Anliegen ist, das Erleben der Klientinnen und Klienten mit substanzgebundener Abhängigkeit zu erheben und ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zur Grundlage für Empfehlungen an die Praxis zu machen. Ziel der Bachelor-Thesis ist es daher, praxisnah und klient*innenorientiert für ein mit viel Leid verbundenes Thema zu sensibilisieren und der Sozialen Arbeit Anregungen für eine nicht-stigmatisierende Praxis zu liefern. Dies ist relevant dafür, dass die Soziale Arbeit ihren Grundwerten von Gleichwertigkeit, Gerechtigkeit und Achtung der Menschenwürde gerecht werden kann.

Im ersten Teil der Bachelor-Thesis wird der Forschungsgegenstand dargelegt. Dazu gehören theoretische Bezüge zu Stigmatisierungsprozessen insbesondere bei Menschen mit substanzgebundener Abhängigkeit und deren Auswirkungen sowie Erkenntnisse, wie Soziale Arbeit Stigmatisierung reproduziert. Das Erleben der Klientel wird im empirischen Teil der Bachelor-Thesis durch sechs leitfadengestützte Interviews mit Klientinnen und Klienten mit substanzgebundener Abhängigkeit eingefangen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Betroffenen von Professionellen der Sozialen Arbeit insbesondere als "Junkies" wahrgenommen und entsprechend stigmatisierend behandelt werden. Die interviewten Personen erleben, dass ihnen Eigenschaften unterstellt werden, welche der Personenkategorie "Junkie" zugeschrieben werden wie beispielsweise permanentes Lügen. Professionelle der Sozialen Arbeit tragen also zur Stigmatisierung von Menschen mit substanzgebundener Abhängigkeit bei. Trotz der Stigmatisierungs- und Diskriminierungserfahrungen durch die Soziale Arbeit zeigen sich viele der interviewten Personen zufrieden mit der Zusammenarbeit. Die Ergebnisse und Verbesserungsvorschläge der Befragten sprechen für ein klientenzentriertes und lösungsorientiertes Arbeiten sowie für eine selbstreflektierte Haltung, wie sie im Rahmen von Undoing Addiction vorgeschlagen wird. Diese Ansätze werden im letzten Teil der Bachelor-Thesis vorgestellt und als Annäherung an eine nicht-stigmatisierende Praxis empfohlen.

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Aisha Rütsch, Michaela Haldimann
Stigmatisierende Soziale Arbeit?
Stigmatisierung von Menschen mit substanzgebundener Abhängigkeit durch die Soziale Arbeit und Möglichkeiten für eine nicht-stigmatisierende Praxis
Bachelor-Thesis
96 Seiten
12.2020
10.26038/230708