Systemische Beratung in der offenen Kinder- und Jugendarbeit
Professionelle Gestaltung von Beratung im offenen Setting
Beratungen sind ein zentraler Bestandteil der OKJA. Sie erfolgen in der Praxis jedoch häufig informell, im Verlauf der Interaktion und ohne klar strukturierte Beratungssettings. Die Rahmenbedingungen erschweren eine methodisch begründete Gestaltung von Beratungsprozessen, ermöglichen gleichzeitig aber niederschwellige Zugänge zu Unterstützung und Orientierung für Kinder und Jugendliche.
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Systemische Beratung einen geeigneten Bezugsrahmen für Beratung in der OKJA darstellen kann. Im Zentrum steht die Frage, wie Systemische Beratung unter den spezifischen Bedingungen eines offenen Settings gestaltet werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer theoriegeleiteten Literaturanalyse, in der zentrale Konzepte und Haltungen Systemischer Beratung mit den strukturellen Merkmalen der OKJA – nicht kontinuierliche Gesprächsverläufe und informelle Strukturen– in Beziehung gesetzt werden. Beratung im offenen Setting verläuft häufig in kurzen Sequenzen, ist stark beziehungsorientiert und erfordert eine hohe situative Urteilskraft der Fachpersonen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Systemische Grundannahmen wie Ko-Konstruktion, Ressourcenorientierung und Kontextsensibilität grundsätzlich anschlussfähig an die Bedingungen der OKJA sind. Systemische Beratung zeigt sich dabei sowohl in konkreten methodischen Vorgehensweisen als auch in einer reflektierten Haltung, die es ermöglicht, auch unter diesen Bedingungen entwicklungsförderliche Gesprächsimpulse zu setzen. In der Umsetzung von Methoden und Abläufen bedarf es Anpassungen an die Praxis der OKJA, da Beratungssituationen häufig spontan, zeitlich begrenzt und durch Unterbrechungen geprägt sind, wodurch eine klare Strukturierung der Gespräche erschwert wird.
Auf Grundlage der theoretischen Analyse sowie einer praxisbezogenen szenischen Untersuchung typischer Beratungssituationen in der OKJA wurden praxisorientierte Orientierungshilfen entwickelt. Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist die Entwicklung eines praxisorientierten Kartensets, das aus den theoretischen und szenischen Analysen abgeleitet wurde und Fachpersonen bei der Gestaltung kurzer, informeller Beratungsgespräche im offenen Setting unterstützt.
Die Ergebnisse sind aufgrund der theoriegeleiteten Vorgehensweise und der begrenzten empirischen Fundierung nur eingeschränkt verallgemeinerbar. Gleichzeitig zeigen sie Potenziale für eine praxisnahe Weiterentwicklung Systemischer Beratung in der OKJA. Weiterführende empirische Untersuchungen könnten zur Überprüfung und Differenzierung der entwickelten Ansätze beitragen.