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Systemische Fallführung in der öffentlichen Sozialhilfe?!

Die Übersetzung eines Beratungsmodells von der Theorie in die Praxis

Sozialarbeitende im Beratungskontext der öffentlichen Sozialhilfe müssen über eine
Vielfalt von Beratungskompetenzen verfügen, um sowohl rechtlich-administrative
Beratung als auch psychosoziale Hilfestellungen zu leisten. Obschon Beratungsmodelle
und -ansätze aus der Ausbildung bekannt sind, werden sie in der Praxis kaum umgesetzt. Eine mögliche Erklärung liegt in der fehlenden Übersetzung der Modelle in die
Praxis, eine andere in den kontextbedingten Einflüssen, die die methodenbasierte Beratungsgestaltung hemmen können. Die Herausforderung in der Beratungspraxis besteht darin, die Fallführung nicht nur «auf Kurs» zu bringen, sondern trotz der kontextbedingten Einflüsse eine tragende Beratungsbeziehung aufzubauen und Veränderungsprozesse durch eine methodische Beratungsgestaltung zu begleiten.
Ausgehend von der Hypothese, dass die Einnahme einer systemischen Haltung und der
Einsatz von kreativen Methoden den Beratungsprozess im Kontext der öffentlichen
Sozialhilfe positiv beeinflussen können, befasst sich die vorliegende Masterarbeit mit der
Fragestellung: Wie können Haltungen und Methoden des systemischen Ansatzes im
Beratungskontext der öffentlichen Sozialhilfe nutzbar gemacht werden?
Zur Beantwortung der Fragestellung wird die systemische Sicht- und Arbeitsweise mit
einem typischen Fallführungsmodell in der öffentlichen Sozialhilfe verknüpft und es wird
mit Fallvignetten veranschaulicht, inwiefern der systemische Ansatz dazu beitragen
kann, trotz der kontextbedingten Einflüsse eine förderliche Beratungsbeziehung aufzubauen und zu erhalten. Weiter wird aufgezeigt, wie kreative Methoden in die öffentliche Sozialhilfeberatung zu übertragen wären, um auf einer visuellen und erlebnisorientierten Ebene den Perspektivenwechsel zu fördern, innere Lösungsprozesse anzuregen und dadurch einen Mehrwert zu schaffen.
In der Schlussfolgerung stellt sich heraus, dass die methodische Beratungsgestaltung
für die Bearbeitung von rechtlich-administrativen Anliegen weniger bedeutend ist.
Für die Bearbeitung von psychosozialen Anliegen und die Begleitung von Veränderungsprozessen hingegen müssen Sozialarbeitende über Beratungskompetenzen verfügen, um einerseits eine förderliche Beratungsbeziehung als «sichere Basis» herzustellen und andererseits durch eine methodische Beratungsgestaltung bei den Klientinnen und Klienten Eigenmotivation zu fördern und Lösungsprozesse anzuregen. Der systemische Ansatz und die damit einhergehenden kreativen Methoden können demzufolge eine mögliche Antwort auf die erforderlichen Beratungskompetenzen in der öffentlichen Sozialhilfeberatung sein.

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Priska Lang
Systemische Fallführung in der öffentlichen Sozialhilfe?!
Die Übersetzung eines Beratungsmodells von der Theorie in die Praxis
Masterarbeit (MAS)
53 Seiten
10.2020
10.26038/327476