Wegweiser oder Stolperstein
Eine qualitative Untersuchung zu Strukturen der Früherkennung und Frühintervention aus Sicht der Schulsozialarbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie Schulsozialarbeitende bestehende Strukturen der schulischen Früherkennung und Frühintervention (F+F) hinsichtlich ihrer Traumasensibilität beurteilen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Kinder in belastenden, gefährdenden oder potenziell traumatisierenden Lebenssituationen im Schulalltag häufig durch Veränderungen im Verhalten, Lernen oder in der sozialen Teilhabe sichtbar werden. Diese Signale können jedoch schnell fehlinterpretiert und Gefährdungssituationen erst spät erkannt werden. Methodisch basiert die Arbeit auf drei qualitativen Leitfadeninterviews mit Schulsozialarbeitenden aus dem Kanton Bern, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Die theoretische Rahmung umfasst Grundlagen zu Trauma bei Kindern, dem Auftrag der Schulsozialarbeit sowie Wissen zur Traumapädagogik. Die Ergebnisse zeigen, dass F+F-Strukturen Halt und Handlungssicherheit bieten, jedoch nicht automatisch traumasensibel wirken. Entscheidend sind eine klare Trennung von Beobachtung und Interpretation, traumaspezifisches Fachwissen, sowie eine traumasensible Haltung. Die Arbeit kommt zum Schluss, dass traumasensible F+F strukturell verankert werden muss und neben klaren Verfahren auch gemeinsame Haltungen, Reflexionsräume, Weiterbildung und ausreichende Ressourcen benötigt.