Wenn ich auf einmal alleine in der Partnerschaft bin...

Beratung von Partnerinnen und Partner depressiver Menschen in der Sozialen Arbeit


ISBN-Nr.:
978-3-03796-636-5
Produkttyp:
Elektronisches Buch
Kategorie:
Bachelor-Thesen (BSc)
Seitenzahl:
123
Erscheinungsjahr:
2017
Publikationsdatum:
06.09.2017
Verlag
Edition Soziothek
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In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 7 Prozent der Bevölkerung erstmals oder wiederholt an einer Depression. Von den Symptomen dieses Störungsbildes sind die Partnerinnen resp. Partner auf emotionaler Ebene sowie im Alltag ebenfalls erheblich betroffen. In der vorliegenden Thesis wird untersucht, welche Belastungen Partnerinnen und Partner aufgrund der Depression der erkrankten Person erleben und wie sie mit diesen umgehen. Weiter wird der Fragestellung nachgegangen, wie Sozialarbeitende Angehörige einbeziehen können und inwiefern dabei insbesondere die Methode der systemischen Beratung bei betroffenen Paaren unterstützend wirken kann.

Zunächst wird in der Thesis der Forschungsstand zum Störungsbild Depression, zu den Belastungen von Angehörigen psychisch erkrankter Personen und zu deren Bewältigungsformen aufgearbeitet. Um diese allgemeinen Erkenntnisse mit Einsichten zur spezifischen Situation von Partnerinnen und Partnern depressiver Menschen zu erweitern, wurden problemzentrierte Interviews mit Betroffenen durchgeführt. Aus der empirischen Untersuchung geht hervor, dass als Folge der depressiven Erkrankung viele zusätzliche alltägliche Aufgaben für die Partnerinnen und Partner anfallen. Als stark belastend wurden der soziale Rückzug der depressiven Person, die fehlende Kommunikation, das negative Stimmungsbild sowie die Angst vor einer Suizidhandlung genannt. Die Symptome der depressiven Person lösen Gefühle wie Hilflosigkeit und Verzweiflung aus. Zudem fühlten sich alle drei befragten Personen von professioneller Seite her alleine gelassen bzw. nicht hinreichend einbezogen. Als hilfreiche Strategien im Umgang mit den aufgeführten Belastungen nannten die befragten Personen eine räumliche sowie emotionale Abgrenzung, das Pflegen von unterstützenden sozialen Beziehungen, das Sprechen über ihre Situation sowie die Aufrechterhaltung einer eigenen Lebensgestaltung.

In der Verknüpfung der dargestellten Befunde mit dem methodischen Ansatz der systemischen Beratung wird ersichtlich, dass ein frühes Einbeziehen der Partnerinnen und Partner in die Behandlung eines depressiven Menschen sinnvoll ist. Diese sollten aus systemischer Sicht als wertvolle Ressource betrachtet werden, welche es vor drohender Überlastung zu bewahren gilt. Bevor Betroffene beraterisch unterstützt werden können, ist eine zeitnahe Entlastung bei alltäglichen Aufgaben nötig. In einem weiteren Schritt kann im Hinblick auf die Qualität der Paarbeziehung sowie der emotionalen Belastungen eine systemische Beratung angebracht sein. In dieser können gemeinsam neue Verhaltensmuster erarbeitet werden. Aufgrund dieser Erkenntnisse sollten Sozialarbeitende bei der Arbeit mit depressiven Menschen in einem eher medizinischen Umfeld über die Belastungen der Partnerinnen und Partner Bescheid wissen und deren Einbezug fördern.
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