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Wenn weder Frauen- noch Männerhäuser das Richtige sind

Eine geschlechterreflektierte Analyse der Opferhilfelandschaft des Kantons Bern

Die in unserer Gesellschaft zunehmende Forderung nach mehr Gleichberechtigung und Geschlechtssensibilität verlangt auch von der Sozialen Arbeit, die eigenen Strukturen, Haltungen und Praktiken aus einer geschlechterreflektierten Perspektive heraus kritisch zu hinterfragen. Die Tatsache, dass in der Schweiz mit rund 75% grösstenteils weibliche* Gewaltbetroffene Opferhilfe in Anspruch nehmen, bildet den Ausgangspunkt der vorliegenden Studienarbeit. Mittels einer dreiteiligen Analyse der Subjekt-, Symbol- und Strukturebene wird der Frage nachgegangen, inwiefern Geschlecht hinsichtlich des Zugangs zu Opferhilfeleistungen im Kanton Bern eine Rolle spielt, wie sich dies erklären lässt und welcher Handlungsbedarf sich daraus ableitet. Die Untersuchung der ersten beiden Ebenen wird mittels Literaturrecherchen durchgeführt. Bei der Strukturebene erfolgt die Analyse der Opferhilfe relevanten Institutionen des Kantons Bern anhand von öffentlich zugänglichen Dokumenten und der Websites der Organisationen sowie mithilfe von kurzen informellen Interviews von Fachpersonen der jeweiligen Institutionen. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass weibliche* Gewaltbetroffene aufgrund von gesellschaftlichen Normvorstellungen deutlich im Fokus der Gewaltforschung, «Opfer»-Diskurse und Opferhilfestellen stehen. Auf allen Ebenen sind allerdings seit einigen Jahren Bemühungen zu erkennen, männliche* Gewaltbetroffene und ihre Bedürfnisse stärker zu berücksichtigen. Anders sieht es bei non-binären Menschen aus. Diese bleiben bislang auf allen Ebenen fast gänzlich unbeachtet und werden von keiner Opferhilfestelle im Kanton Bern explizit angesprochen. Im Bereich der Schutzunterkünfte fördert die Evaluation den notwendigsten und dringendsten Handlungsbedarf zutage. Hier stellt insbesondere die Frage nach der Legitimation von Ausschlusspraktiken aufgrund des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität.

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Malina Rosa Balmer
Wenn weder Frauen- noch Männerhäuser das Richtige sind
Eine geschlechterreflektierte Analyse der Opferhilfelandschaft des Kantons Bern
Studienarbeit
40 Seiten
28.01.2021
10.26038/423307