White-Saviorism-Darstellungen in sozialen Medien
Eine qualitative Untersuchung zur Wahrnehmung Jugendlicher
In der vorliegenden Bachelor-Thesis wird untersucht, wie Jugendliche eine White-Savior-artige Darstellung in den sozialen Medien wahrnehmen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass White Saviorism als postkolonial geprägtes Phänomen zwar in der Entwicklungszusammenarbeit, den Medien und der Forschung thematisiert wird, die Perspektive von Jugendlichen jedoch weitgehend unerforscht bleibt. Um diese Lücke zu adressieren, geht die Arbeit der Frage nach, wie Jugendliche ein entsprechendes Video auf der Social-Media-Plattform «YouTube» wahrnehmen.
Die empirische Grundlage bildeten zwei leitfadengestützte Fokusgruppeninterviews mit zwei Gruppen à jeweils acht Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren. Als Stimulus wurde das YouTube-Video «I Built 100 Wells in Africa» von MrBeast (2023) eingesetzt und die erhobenen Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild: Einerseits äusserten die befragten Jugendlichen positive oder unkritische Zuschreibungen gegenüber dem Protagonisten, andererseits liessen sich differenzierte Reflexionen zu Motiven, Inszenierung und globalen Machtverhältnissen erkennen. Gleichzeitig traten wiederholt stereotype oder vereinfachende Darstellungen Afrikas auf, die teilweise strukturell mit White Saviorism verknüpft sind.
Aus diesen Befunden leitet die Arbeit zentrale Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit ab, insbesondere im Hinblick auf die Förderung kritischer Medienkompetenz und rassismuskritischer Bildungsarbeit. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Jugendliche sowohl für koloniale Narrative sensibilisiert als auch in ihrer Fähigkeit zur kritischen Einordnung digitaler Inhalte gestärkt werden sollten.