Wie gelingt beraterische Neutralität an der Berufsfachschule?

Systemische Beratung im Spannungsfeld von vulnerabler Lebensphase und divergierenden Aufträgen

Beratungsangebote an Berufsfachschulen (BFS) werden von Lernenden mit psychischen Belastungen im Verhältnis zum Bedarf eher wenig genutzt (vgl. Kapitel 1.3). Eine aktuelle Studie zeigt, dass Unabhängigkeit und Vertraulichkeit zentrale Voraussetzungen dafür sind, dass Lernende das Angebot in Anspruch nehmen (Schmocker et al., 2025, S. 134). Beraterische Neutralität ist damit eine Bedingung für die Wirksamkeit von Beratung im Kontext BFS.

Die vorliegende MAS-Arbeit untersucht, wie beraterische Neutralität im Kontext systemischer Beratung an BFS zu verstehen ist und wie Beratende ihr professionelles Handeln– im Spannungsfeld von vulnerabler Lebensphase der Lernenden, divergierenden Aufträgen und Erwartungen, institutionellem Kontext und Unfreiwilligkeit – daran ausrichten können.

Auf der Grundlage einer theoretischen Auseinandersetzung mit systemischem Denken und der Entwicklung beraterischer Neutralität wird zunächst ein differenziertes Verständnis dieser Handlungsrichtlinie erarbeitet. Dieses reicht von frühen, eher distanzorientierten Konzepten der Mailänder Gruppe über die Erweiterung durch Neugier bis hin zu einem heutigen Verständnis, das mehrere Dimensionen von Neutralität ausdifferenziert, Nichtbewerten, zugewandte Beziehungsgestaltung und Selbst-geführten Präsenz (vgl. Kapitel 3) der Beratenden in Verbindung setzt und mit reflexiven Steuerungsprozessen der Beratenden sowie transparenter Meta-Kommunikation verknüpft.

Anschliessend werden vier für die Beratung an BFS besonders relevante Aspekte – das Jugendalter der Klientel, die Wahl und angemessene Ausgestaltung von Beratungsformen, divergierende Aufträge sowie Unfreiwilligkeit und Widerstand – hinsichtlich ihrer Implikationen für beraterische Neutralität analysiert: Die Orientierung an der Zielgruppe resultiert in vermehrter Wissensberatung und einem starken Ressourcenfokus, was wiederum die Wichtigkeit der Mehrdimensionalität von beraterischer Neutralität und Meta-Kommunikation verstärkt. Eine sorgfältige Auftragsklärung mit allen Beteiligten in Verbindung mit Vertraulichkeit erweist sich als Voraussetzung beraterischer Neutralität, auch im Umgang mit Unfreiwilligkeit.

Die erarbeiteten Ergebnisse werden anhand von zwei Fallbeispielen auf die Praxis angewendet. Die theoretischen Ergebnisse werden dadurch bestätigt und es kristallisiert sich heraus, wie sehr die Dimensionen von Neutralität sowie die Aspekte, welche beraterische Neutralität im Berufsalltag an BFS tangieren, miteinander verwoben sind, einander verstärken und bedingen. Die Arbeit schliesst mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer kritischen Beurteilung derselben.

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Lena Zwahlen
Wie gelingt beraterische Neutralität an der Berufsfachschule?
Systemische Beratung im Spannungsfeld von vulnerabler Lebensphase und divergierenden Aufträgen
Masterarbeit (MAS)
67 Seiten
2026
10.26038/2181694