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Zwischennutzung – Mehrfachnutzung

Zwei temporäre Raumnutzungsformen aus Sicht der Soziokulturellen Animation

Die reguläre Raumverwertung in Schweizer Städten geht mit sozialen Ungleichheiten einher, weil kapitalschwachen Bevölkerungsgruppen der Zugang zu gestaltbarem Raum oftmals verwehrt bleibt. Aus diesem Grund sucht die Soziokulturelle Animation, deren Ideal die gleichwertige Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen an gesellschaftlichen Gütern und Errungenschaften ist, nach Alternativen. Eine Bewertung von Zwischennutzung und Mehrfachnutzung anhand der Zielformulierung der Soziokulturellen Animation zeigt, dass die Nutzungsformen punktuell eine ausgleichende Funktion wahrnehmen können: Beide bieten Zugänge zu Raum, die nicht den Regeln der regulären Raumverwertung unterliegen. Zudem eröffnen sie Partizipations-, Gestaltungs- und Lernfelder. Die Gegenüberstellung der beiden Nutzungsformen macht deutlich, dass Zwischennutzungen grössere Entfaltungsmöglichkeiten mit sich bringen, jedoch auch mehr soziale und kulturelle Kompetenzen sowie ökonomische Ressourcen verlangen. Mehrfachnutzungen dagegen sind wesentlich einfacher zu realisieren, lassen aber weniger Freiheiten zu. Zwischennutzung und Mehrfachnutzung tragen so auf ihre jeweils eigene Weise zum sozialen Frieden bei. Beide bewirken aber keine grundsätzliche Veränderung der Raumverwertung. Damit verbunden ist die Gefahr, dass die beiden Nutzungsformen Ungleichheiten stützen und reproduzieren. Die Soziokulturelle Animation kann die Chancen der Mehrfachnutzung sowie der Zwischennutzung fördern und die Gefahren vermindern, indem sie sich mit ihren sozialen und kulturellen Kompetenzen vermittelnd in die Nutzungsprozesse einbringt. Andererseits kann sie die Potentiale der Nutzungsformen auch für ihre Arbeit mit Anspruchsgruppen ausschöpfen.

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Sandra Schmid, Olivier Thalmann
Zwischennutzung – Mehrfachnutzung
Zwei temporäre Raumnutzungsformen aus Sicht der Soziokulturellen Animation
Bachelor-Thesis
15.01.2010