Freier ohne Freier? Das Nordische Modell als Strategie zur Bekämpfung von Frauenhandel zwecks sexueller Ausbeutung
Eine kritische Analyse der Effektivität des Sexkaufverbots und daraus abgeleitete sozialarbeiterische Handlungsansätze für die Schweiz
Die vorliegende Bachelor-Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob das sogenannte Nordische Modell – die Kriminalisierung des Sexkaufs bei gleichzeitiger Straffreiheit für Sexarbeitende – ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Frauenhandel im Kontext von Zwangsprostitution darstellt. Im Zentrum der Arbeit steht eine kritische Analyse der Effektivität des Modells, wobei der Fokus auf der Situation in Ländern liegt, in denen es bereits implementiert wurde. Aus den Erkenntnissen werden Handlungsansätze für die Soziale Arbeit abgeleitet.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt. Es zeigt sich, dass das Nordische Modell zwar potenziell geeignet ist, den Menschenhandel insofern einzudämmen, als dass es den Gesamtumfang des Sexgewerbes reduziert. Allerdings bringt diese Gesetzesnorm gravierende Nachteile mit sich. So werden sowohl Betroffene des Frauenhandels als auch selbstbestimmte Sexarbeitende durch die Verdrängung des Gewerbes in den Untergrund stärker marginalisiert und sind vermehrt Gewalt sowie Ausbeutung ausgesetzt. Auch werden Tätigkeitsbereiche professioneller Sozialer Arbeit durch ein solches Verbot eingeschränkt. Die Arbeit argumentiert daher auf Grundlage einer berufsethischen Auseinandersetzung gegen das Nordische Modell. Stattdessen plädiert sie für eine differenzierte Betrachtung der Thematik, welche die vielfältigen Lebensrealitäten von Sexarbeitenden anerkennt und zwischen freiwilliger Sexarbeit und ausbeuterischen Formen wie Zwangsprostitution unterscheidet. Es wird hervorgehoben, dass beide Regulierungsmodelle – das Nordische Modell ebenso wie das liberale System – gravierende Schwächen aufweisen, sodass es keine offensichtliche Lösung gibt.
Im letzten Teil der Arbeit werden konkrete Forderungen an die Soziale Arbeit in der Schweiz formuliert. Diese leiten sich nicht direkt vom Nordischen Modell ab, sondern von den im Zuge der Auseinandersetzung gewonnenen Erkenntnissen. Es wird von Professionellen Sozialer Arbeit politisches und gesellschaftliches Engagement sowie eine methodisch fundierte Zusammenarbeit mit Betroffenen gefordert. Die Arbeit versteht sich damit auch als Plädoyer für eine praxisnahe Auseinandersetzung mit einer hochkomplexen sozialpolitischen Thematik.