Meinungsvielfalt als Herausforderung in der Offenen Jugendarbeit

eine qualitative Untersuchung

Die vorliegende Bachelorthesis untersucht das Spannungsfeld in der Offenen Jugendarbeit zwischen der Förderung jugendlicher Selbstbestimmung und der Einhaltung berufsethischer Verpflichtungen wie etwa dem Einstehen gegen Diskriminierung. Diese Herausforderung akzentuiert sich durch den zunehmenden Populismus und polarisierende Narrative in der Gesellschaft, die insbesondere durch Social Media verstärkt werden und die Meinungsbildung von Jugendlichen prägen.

Die Forschungsfrage lautet: Wie nehmen Fachkräfte der Offenen Jugendarbeit das Spannungsfeld zwischen der Förderung jugendlicher Selbstbestimmung und der Einhaltung berufsethischer Verpflichtungen wahr? Der theoretische Rahmen bildet einerseits das Konzept des Populismus, um den Einfluss populistischer Phänomene auf die Jugendlichen auf der Makroebene zu verstehen. Andererseits werden die zentralen Merkmale der offenen Jugendarbeit systematisch erarbeitet und dargestellt. Insbesondere wird die Bedeutung der Beziehungsarbeit zwischen Fachpersonen und Jugendlichen für die Erfüllung des Auftrags der offenen Jugendarbeit hervorgehoben. Zudem werden die berufsethischen Verpflichtungen sowie das Entwicklungsalter Jugend einbezogen, um das Spannungsfeld zu kontextualisieren.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Mittels Leitfadeninterviews mit drei Fachpersonen der Offenen Jugendarbeit wurden Wahrnehmungen, Bewertungen und Handlungsansätze erhoben und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Aushandlungsprozesse zwischen jugendlicher Ausdrucksweise wie zum Beispiel "schwul" als Schimpfwort und den ethischen Richtlinien der Fachpersonen, gegen Diskriminierung einzustehen, sich primär auf das Thema Queerness konzentrieren. Fachkräfte bewerten daraus resultierende Konflikte mehrheitlich als normalen und notwendigen Bestandteil der jugendlichen Entwicklung. Der Umgang mit Konflikten wird überwiegend als diskursfördernd beurteilt, um niemanden auszuschliessen und den Jugendlichen einen Erprobungsraum zu bieten. Die Beziehungsarbeit wird als unverzichtbare Grundlage Vertrauen und Intervention beurteilt. Fachkräfte nehmen das Spannungsfeld zwischen der Akzeptanz von jugendlicher Selbstbestimmung und dem Einstehen gegen diskriminierende Äusserungen als komplexen, kontinuierlichen Balanceakt wahr. Dies erfordert eine ständige situative Grenzziehung, bei der die Jugendlichen akzeptiert, diskriminierende Äusserungen aber abgelehnt werden.

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Julia Gassmann, Hoang Bao-Ngoc Cung
Meinungsvielfalt als Herausforderung in der Offenen Jugendarbeit
eine qualitative Untersuchung
Bachelor-Thesis
100 Seiten
2025
10.26038/1988953