Öffentlicher Raum - zwischen Rückzug und Selbstbestimmung

Wie sich weibliche Jugendliche urbane Räume aneignen

Die Raumaneignung weiblicher Jugendlicher findet in einem komplexen Spannungsfeld zwischen Eigenständigkeit, gesellschaftlichen Erwartungen und Benachteiligungen durch Geschlechterhierarchien im öffentlichen Raum statt. In der Forschungsliteratur wird das weibliche Verhalten teils als defizitär gegenüber dem männlichen, teils als selbstbewusst beschrieben. Diese qualitative Forschungsarbeit untersucht, wie weibliche Jugendliche sich in diesem Spannungsfeld im urbanen Raum bewegen. Mit sechs Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren wurden Einzelinterviews durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einem Gruppengespräch mit vier 21- bis 22-jährigen Frauen gespiegelt, um die Aussagen der Jugendlichen retrospektiv einzuordnen und multiperspektivisch zu vertiefen. Die Auswertung erfolgte mittels inhaltlich-strukturierender Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse zeigten die grosse Bedeutung des öffentlichen Raums für weibliche Jugendliche und ihre Entwicklung. Seine Aneignung erfolgte mit grosser Selbstverständlichkeit, oft gemeinsam mit weiblichen Peers, und wurde mit dem Gefühl der Freiheit verbunden. Gleichzeitig erfuhren die Jugendlichen strukturelle Einschränkungen - etwa durch sexuelle Belästigungen, subtil vermittelte Rollenerwartungen und - insbesondere nachts - eine kollektiv geteilte Unsicherheit im öffentlichen Raum. Daraus ergibt sich ein Handlungsauftrag für die Soziale Arbeit. Um die Chancengleichheit weiblicher Jugendlicher zu gewährleisten, gilt es, ihnen die Auseinandersetzung mit den ambivalenten Erfahrungen im öffentlichen Raum zu ermöglichen und ihre aktive Raumaneignung zu fördern - vor allem aber strukturell zu gerechteren Bedingungen im öffentlichen Raum beizutragen.

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Maria Auer, Julia Glaus
Öffentlicher Raum - zwischen Rückzug und Selbstbestimmung
Wie sich weibliche Jugendliche urbane Räume aneignen
Bachelor-Thesis
11.08.2025