Selbstwirksamkeit im offenen Strafvollzug der Frauen

Haftstrafen und die damit verbundene Isolierung stellen betroffene Personen vor Herausforderungen, speziell, wenn der Zeitpunkt der Entlassung naht. Bemühungen um eine Arbeits-stelle, eine passende Wohngelegenheit und die Organisation des Alltags vermischen sich mit persönlichen Ansprüchen und Vorstellungen. Nicht selten führt diese Ausgangslage zu Angst und Überforderung. Durch die Aussenwohngruppe der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hindelbank soll dieser Übergang möglichst reibungslos verlaufen. Das Konzept sieht vor, zehn Personen in einer nach aussen orientierten Wohngruppe individuell zu unterstützen und dadurch die gelingende Resozialisierung zu ermöglichen.

In der vorliegenden Arbeit stellt sich der Autor die Frage, wie die Bewohnerinnen das Leben in der Aussenwohngruppe erleben. Dabei dient das Konzept der Selbstwirksamkeit als theoretischer Bezug. Selbstwirksamkeit geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück und meint die Einschätzung der Fähigkeit einer Person, ein Ziel zu erreichen und auftretende Herausforderungen zu überwinden. Da Selbstwirksamkeit nötig ist, um Herausforderungen anzugehen und zudem ein Bestandteil der Handlungsfähigkeit von Personen darstellt, darf das Konzept der Selbstwirksamkeit als wichtige Ressource für den Resozialisierungsprozess gesehen wer-den.

Mit Hilfe der vorliegenden qualitativen Arbeit wurde untersucht, wie die Bewohnerinnen der Aussenwohngruppe der JVA Hindelbank ihren Alltag und den offenen Vollzug der Aussenwohngruppe der JVA Hindelbank wahrnehmen. Dazu wurden drei eingewiesene Frauen mit-hilfe von Leitfadeninterviews befragt. Anschliessend wurden die Ergebnisse mit der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet und interpretiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bewohnerinnen in der Aussenwohngruppe diverse Erlebnisse nannten, die sich mit der Selbstwirksamkeit in Verbindung bringen lassen. Die Wohngruppe bietet den Befragten die Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erleben und zu stärken. Weiter steht ihnen ein Netz aus Fachpersonen zur Seite, um sie in kritischen Phasen zu begleiten und bei Herausforderungen zu unterstützen. Aus den Interviews und den theoretischen Bezügen lässt sich festhalten, dass das Konzept der Aussenwohngruppe zentrale Punkte der Re-sozialisierung aufgreift und zeitgemässe Bedingungen bietet, um eine erfolgreiche Wiedereingliederung zu ermöglichen. Ausserdem zeigen aktuelle Zahlen zu Rückfällen im Strafvollzug, dass eine Notwendigkeit besteht, die Übergangsphase der Resozialisierung mit passenden Angeboten zu begleiten. Nach aktuellem Kenntnisstand dient die Aussenwohngruppe der JVA Hindelbank mit dem nach aussen orientierten offenen Vollzug als Übungsfeld, um Herausforderungen auf dem Weg der Resozialisierung erfolgreich zu überwinden und mit solider Selbst-wirksamkeit in die Freiheit zu gehen.

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Remo Röthlisberger
Selbstwirksamkeit im offenen Strafvollzug der Frauen
Bachelor-Thesis
57 Seiten
2024
10.26038/1976216